
Hansi der Kutscher

Schritt für Schritt. Atemzug für Atemzug. Über weiche Almböden, über schmale Pfade, vorbei an stillen Wäldern. Schritt für Schritt. Und plötzlich wird alles einfacher.
Es beginnt nicht mit einem großen Plan. Es beginnt mit einem ersten Schritt.
Weitwandern klingt für viele nach endlosen Kilometern, schweren Rucksäcken und schmerzenden Beinen. Nach Herausforderung. Vielleicht sogar nach Überforderung. Doch genau das Gegenteil wartet am WaiWi im Pillerseetal. Hier wird aus dem großen Abenteuer eine leise Annäherung. Eine, die Raum lässt. Für Pausen. Für Gedanken. Für sich selbst.
Und genau deshalb ist der WaiWi wie gemacht für alle, die zum ersten Mal mehrere Tage am Stück unterwegs sein wollen.
Der Name WaiWi steht für eine besondere mehrtägige Wanderung im Tiroler Pillerseetal, die von Waidring über mehrere Gipfel bis zum Wildseeloder und ins Tal nach Fieberbrunn verläuft. Der Begriff setzt sich aus Waidring und Wildseeloder zusammen und beschreibt damit die rund 53 Kilometer lange Route über mehrere Gipfel und durch das gesamte Tal. Unterwegs verbindet der Weg die Orte Waidring, St. Ulrich am Pillersee, St. Jakob in Haus und Fieberbrunn zu einer landschaftlich eindrucksvollen Linie. Charmant wird „WaiWi“ zudem auch als liebevolle Anspielung auf einen Tiroler Mundartausdruck für „liebes Weib“ interpretiert – ein Name, der so viel mehr ist als nur eine Wegbezeichnung.
Der WaiWi – der Weitwanderweg durch das Pillerseetal in den Kitzbüheler Alpen – ist kein Weg, der dich zwingt. Er begleitet dich.
Normalerweise in drei Tagen zu gehen, lässt er sich wunderbar auf vier entspannte Etappen aufteilen. Perfekt für Einsteiger. Für alle, die nicht ankommen wollen, sondern unterwegs sein möchten.
Denn schnell wird klar: Nicht der Gipfel ist das Ziel. Nicht die Hütte. Nicht der Ort am Ende der Etappe.
Es ist der Weg dazwischen.
© Ringler StefanAnkommen.Abschalten.Losgehen
Der erste Tag fühlt sich an wie ein Ankommen. Nicht nur im Pillerseetal, sondern auch im eigenen Rhythmus.
Von Waidring führt der Weg durch den schattigen Mischwald hinauf auf den Hausberg. Das Rauschen der Bäume im Ohr, die Schritte noch leicht. Zwischen den Ästen öffnen sich immer wieder kleine Fenster ins Tal. Am Gipfel angekommen reicht der Blick über das Fellhorn bis zur Steinplatte. Ein letzter Moment zum Innehalten, noch einmal zurück nach Waidring. Vor dir zeichnen sich bereits die ersten Höhenzüge der kommenden Etappe am Horizont ab.
Hausberg, Schaflberg, Kirchberg – große Namen, die sich überraschend sanft anfühlen.
Hier oben ist nichts laut. Keine Eile. Kein Druck.
Nur du. Und der nächste Schritt.
© Sven Becker_theBackpacker.deKreuz am Hausberg in Waidring – der erste Blick zurück und zugleich der Beginn von etwas Neuem.
Am zweiten Tag wird der Blick weiter. Und mit ihm auch die Gedanken.
Der Weg führt dich hinauf zur Buchensteinwand. Schon von weitem sichtbar: das markante Jakobskreuz. Ein Ort, der innehalten lässt.
Hier oben verändert sich etwas.
Die Landschaft wird offener, weiter. Die Hügel weicher, die Übergänge fließend. Und irgendwo zwischen Himmel und Tal merkst du, wie der Alltag langsam leiser wird.
Schritt für Schritt.
© Andreas LangreiterDas Jakobskreuz auf der Buchensteinwand – markant, weit sichtbar und ein Ort, der innehalten lässt.
Jetzt wird es intensiver. Aber nie zu viel.
Die dritte Etappe führt dich Richtung Wildseeloder – und damit mitten hinein in das Herzstück des WaiWi. Der Weg wird alpiner, die Pfade schmaler, die Eindrücke dichter.
Und dann liegt er plötzlich da: der Wildseelodersee.
Still. Dunkel. Fast unwirklich.
Ein Ort, an dem die Zeit stehen bleibt. Wo sich der Himmel im Wasser spiegelt und Gedanken ganz von selbst zur Ruhe kommen.
Spätestens hier verstehst du, warum so viele vom Weitwandern schwärmen.
„Der Wildseeloder ist für mich mehr als ein Berg – er ist mein Kraftplatz. Dort oben, zwischen Himmel und See, wird alles still. Und genau in dieser Stille finde ich wieder, was im Alltag oft verloren geht.“
Der letzte Tag beginnt oft leise.
Vielleicht mit müden Beinen. Aber einem wachen Kopf.
Doch bevor es hinunter ins Tal geht, wartet noch ein besonderer Moment: der Aufstieg auf den Wildseelodergipfel. Ein letzter Blick von oben. Ein Panorama, das all das vereint, was diese Tage so besonders gemacht hat.
Erst danach beginnt der Abstieg Richtung Fieberbrunn. Und der fühlt sich anders an als ein klassisches „Zurückkommen“. Eher wie ein langsames Loslassen. Jeder Schritt bringt dich näher ins Tal – und gleichzeitig weiter weg von der Ruhe und Weite der Bergwelt.
Und irgendwann ist er da, der letzte Schritt.
Doch der Weg wirkt nach.
© Mathäus GartnerEs ist nicht das Spektakuläre. Nicht der höchste Gipfel. Nicht das perfekte Foto. Es sind die kleinen Dinge. Das gleichmäßige Geräusch der Schritte.
Der Wind, der durch die Gräser streicht. Das Licht am Morgen. Die Stille. Eine Stille, die man so kaum noch kennt. Beim Weitwandern reduziert sich alles. Kein Termin. Kein Müssen. Kein „schneller noch“. Stattdessen entsteht Raum. Für Gedanken. Für Klarheit. Für dieses seltene Gefühl, ganz im Moment zu sein.
Und manchmal reicht schon eine einzige Erinnerung daran – und ein Lächeln ist wieder da.
Jede Etappe am WaiWi hat ihre ganz eigenen Highlights – mal leise und versteckt, mal eindrucksvoll und weit. Gleich zu Beginn wartet mit der wildromantischen Weissbachschlucht ein echtes Naturjuwel, begleitet vom ersten Blick auf das markante Jakobskreuz und einer erfrischenden Kneippmöglichkeit am Pillersee. Am zweiten Tag wird es ursprünglich: Der Weiler Flecken mit seinen alten Bauernhöfen erzählt von längst vergangenen Zeiten, während das begehbare Jakobskreuz neue Perspektiven eröffnet. Die dritte Etappe führt schließlich zu einem der wohl eindrucksvollsten Orte der Tour – dem mystischen Wildseelodersee – und überrascht am Weg dorthin mit besonderen Plätzen wie dem Wildalm Käseladen, inklusive kleinstem Kino am Berg.
Der letzte Tag hält noch einmal besondere Momente bereit: Sonnenaufgang am Wildseelodersee, Gipfelglück auf der Henne oder dem Wildseeloder und zum Ausklang jede Menge Spaß in Timoks Wilder Welt an der Mittelstation Streuböden.
Unten im Tal warten mit dem Lauchsee, dem Pillersee und dem Badesee in Waidring gleich drei Möglichkeiten, um die Tour entspannt ausklingen zu lassen – ein stiller, erfrischender Abschluss nach Tagen voller Bewegung.
© Christof Willms„Schritt für Schritt. Dem Ziel entgegen. Doch welches Ziel?“ Vielleicht ist es genau diese Frage, die den WaiWi so besonders macht. Denn wenn du am Ende in Fieberbrunn ankommst, passiert oft etwas Unerwartetes: Du willst nicht nur angekommen sein. Du willst zurück. Auf den Weg. Auf diese stillen Pfade, auf denen alles so leicht geworden ist. Und vielleicht ist genau das der Moment, in dem aus einem ersten Versuch etwas Neues entsteht. Die Lust auf mehr. Weitwandern.
© Marion PichlerBlick auf den Wildseelodersee – still, tief und voller Magie zwischen Himmel und Bergen.
Ich bin im Pillerseetal geboren und aufgewachsen. Schon als Kind begeisterten mich die Berge des Pillerseetals und der Kitzbüheler Alpen. Im Winter bin ich gerne auf den Skipisten oder auf der Langlaufloipe unterwegs und im Sommer erklimme ich unsere Gipfel.
Meine zweite Leidenschaft ist das Kochen! Ich liebe es Neues auszuprobieren und Omas traditionelle Gerichte wiederzuentdecken ... Mehr Details