Ein Ziel vor Augen haben

Heiße Aufgüsse, ein Sprint den steilsten Hang hinauf und das Klacken von Billardkugeln. Was auf den ersten Blick kaum zusammenpasst, verbindet im Pillerseetal dieselbe Idee: Menschen, die mit Leidenschaft ihre Freizeit gestalten und dabei weit mehr schaffen als nur einen Verein.
Manche Vereinsnamen sorgen schon beim ersten Hören für ein Schmunzeln. Fieberbrunner Körperkult. Saustall. Was zunächst nach einer lustigen Idee klingt, steht im Pillerseetal längst für echte Gemeinschaft, sportlichen Ehrgeiz und außergewöhnliches Engagement. Hinter den markanten Namen stecken Menschen, die ihre Freizeit nicht nur gemeinsam verbringen, sondern aktiv das Dorfleben mitgestalten.
Im Pillerseetal sind Vereine weit mehr als nur Treffpunkte für gemeinsame Hobbys. Sie verbinden Generationen, schaffen Freundschaften und bringen Projekte hervor, die weit über den eigentlichen Vereinszweck hinausgehen. Genau dort entstehen oft die Geschichten, die eine Region prägen. Zwei dieser Geschichten führen nach Fieberbrunn – in die Sauna und in einen ehemaligen Schweinestall.
Die Idee zum Fieberbrunner Körperkult entstand nicht am Reißbrett, sondern aus langjährigen Freundschaften. Viele der heutigen Mitglieder standen früher gemeinsam am Fußballplatz. Mit der Zeit wurden die Fußballschuhe jedoch seltener geschnürt – der Wunsch, sich weiterhin regelmäßig zu treffen, blieb.
Einige aus der Runde gingen gemeinsam saunieren, trafen sich im Aubad Fieberbrunn und verbrachten dort ihre Abende zwischen Aufgüssen, Gesprächen und einem gemütlichen Feierabendbier. Aus diesen Treffen entwickelte sich schließlich mehr: 2023 gründeten David und Max Foidl gemeinsam mit Freunden den Fieberbrunner Körperkult – kurz FKK.
Heute zählt der Verein 17 Mitglieder und ist längst mehr als eine gesellige Runde. Mit seinen Veranstaltungen beweist der FKK eindrucksvoll, wie viel entstehen kann, wenn Menschen gemeinsam Ideen umsetzen.
© Martin HautzFieberbrunner Körperkult (FKK): ein lustiger Haufen mit professionellem Engagement für den Sport in der Region.
Besonders bekannt wurde der Fieberbrunner Körperkult mit der Goasleitn Trophy. Hinter dem Namen steckt der wohl steilste 100-Meter-Bergsprint der Welt. Die Idee entstand auf der Rohreralm in Fieberbrunn – auf einem Hang, der für die Landwirtschaft fast zu steil ist, für einen solchen Sportbewerb aber einen ungewöhnlichen Austragungsort bietet.
Was als verrückte Idee begann, entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zu einem fixen Termin im Veranstaltungskalender. Rund 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellten sich 2026 der Herausforderung und sprinteten den Hang hinauf – einzeln oder in Staffeln, mit sportlichem Ehrgeiz und gleichzeitig jeder Menge Schmäh. Auch in den sozialen Medien fand die Veranstaltung schnell Aufmerksamkeit und wurde weit über die Region hinaus geteilt.
Mit dem HOMERUN – Pillerseetal am 26. Oktober übernimmt der Verein ab 2026 eine weitere Aufgabe. Die traditionsreiche Veranstaltung soll nicht nur sportlich begeistern, sondern sich zu einem Fest für die ganze Familie entwickeln. Ganz gleich, ob beim Halbmarathon, beim Kinderbewerb oder als Zuschauer entlang der Strecke – im Mittelpunkt stehen das gemeinsame Erlebnis, die Freude an der Bewegung und das Miteinander.
© Martin HautzSchneller als die Goas erlaubt: Teilnehmerinnen der Goasleitn Trophy nach dem Bergsprint in Fieberbrunn.
Nicht weniger außergewöhnlich ist die Geschichte des Billardclub Saustall. Gegründet wurde der Verein 1987 von Paul Bachler, seinen Brüdern und weiteren Billardbegeisterten auf dem elterlichen Bauernhof in Fieberbrunn. Der heutige Vereinsname sorgte anfangs durchaus für Skepsis – sogar beim österreichischen Billardverband.
Was ursprünglich als Freizeitbeschäftigung begann, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem festen Bestandteil der österreichischen Billardszene. Heute trainieren im modern umgebauten ehemaligen Stall Hobby- und Leistungsspieler Seite an Seite. Rund 70 Erwachsene und 20 Jugendliche zählt der Verein mittlerweile. Besonders wichtig ist die Nachwuchsarbeit, in die der Verein seit Jahrzehnten investiert.
Die Erfolge sprechen für sich: Staatsmeistertitel, Bundesligaambitionen und zahlreiche Nachwuchstalente haben den Billardclub Saustall über die Region hinaus bekannt gemacht. Für Obmann Paul Bachler steht trotzdem vor allem eines im Mittelpunkt: das Miteinander. Dieser familiäre Zugang prägt den Verein bis heute.
© BC SaustallClemens Schober vom Billardclub Saustall auf dem Weg zum Staatsmeistertitel.
Ob in der Sauna, beim Bergsprint oder am Billardtisch – beide Vereine zeigen auf ihre eigene Art, was entstehen kann, wenn Menschen ihre Freizeit gemeinsam gestalten. Vereinsleben kann dabei vieles sein: sportlich, gesellig, manchmal ungewöhnlich und immer wieder überraschend.
Vielleicht liegt genau darin die besondere Stärke des Pillerseetals. Viele Ideen entstehen hier nicht in großen Besprechungsräumen, sondern beim Feierabendbier, in der Sauna oder am Stammtisch. Aus Freundschaften werden Projekte, aus spontanen Einfällen erfolgreiche Veranstaltungen – und aus engagierten Menschen Vereine, die weit über die Region hinaus Aufmerksamkeit erregen.
Wer bei den Namen Fieberbrunner Körperkult oder Saustall zunächst schmunzelt, entdeckt schnell, was dahintersteckt: Menschen, die ihre Interessen teilen, gemeinsam etwas auf die Beine stellen und damit das Leben im Ort mitgestalten.
„Das Pillerseetal lebt nicht nur von seiner beeindruckenden Natur, sondern vor allem von Menschen, die gemeinsam etwas bewegen.“
Wer das Pillerseetal besucht, entdeckt nicht nur Berge und Landschaft, sondern auch Menschen mit Ideen, Tatkraft und Freude am gemeinsamen Tun. Vielleicht führt der nächste Ausflug ja zu einer der Veranstaltungen, bei denen sich diese besondere Seite des Pillerseetals ganz nebenbei erleben lässt.
© Björn AhrndtSchon gewusst?
Ob Sportveranstaltung, Dorffest oder gelebtes Brauchtum – in allen fünf Orten des Pillerseetals sind Vereine ein wichtiger Teil des Gemeindelebens. Sie organisieren Veranstaltungen, pflegen Traditionen und bringen Menschen zusammen. Vieles davon wäre ohne den ehrenamtlichen Einsatz ihrer Mitglieder nicht möglich.