
Gekommen, um zu bleiben

07:05 Uhr. Wecker. Und trotzdem stehen wir gerne auf. Der Grund ist simpel: In der Früh treffen die ersten Sonnenstrahlen das imposante Bergmassiv – und das Schauspiel lässt sich direkt aus erster Kinoreihe bestaunen. Besser als jede Netflix-Serie, kein Witz.
Wer morgens die Vorhänge öffnet und die Berge bereits in der Dämmerung leuchten sieht, dreht sich definitiv nicht noch einmal um. Jane, die die beeindruckenden Landschaftsaufnahmen in so mancher Filzszene der bekannten Alpen-Serien liebt, kommt hier visuell voll auf ihre Kosten. Und Dani wollte schon immer genau diesen majestätischen, rauen "Koasa" im besten Licht vor die Kameralinse bekommen. Genau solche Momente sind es, die uns immer wieder in die Kitzbüheler Alpen zurückziehen.
Wir sind Dani und Jane von @wanderlustallgaeu und kennen die Region bisher vor allem aus dem Winter. Wir sind schon oft zum Hahnenkamm-Rennen angereist, haben die Pisten rund um die Hohe Salve erkundet, sind in Hochfilzen über die Langlaufloipen geglitten und haben viele Tage in Fieberbrunn verbracht. Skitage, Hüttenstopps, Pulverschnee. Sogar beim KAT100 Trailrun waren wir im letzten Jahr bereits am Start.
Irgendwann stellte sich aber die Frage, die sich wohl viele irgendwann stellen: Wie sieht das Ganze eigentlich aus, wenn der Schnee weg ist und man die Kitzbüheler Alpen auf zwei Rädern entdeckt?
Die Antwort darauf heißt KAT-Bike.
Der KAT-Bike ist eine Mountainbike Mehrtagesroute durch die Kitzbüheler Alpen, mit bis zu 163 Kilometern und 4.812 Höhenmetern, aufgeteilt auf mehrere Etappen. Was das Ganze besonders macht: Es gibt nicht nur eine Variante, sondern gleich vier, von entspannt bis richtig sportlich. Ob Genussradler, Tourenfahrer, Trailfan oder E-Biker, für jeden ist etwas dabei.
Und das Drumherum? Ist schon organisiert. Unterkunft, Gepäcktransport, Halbpension, Informationsmaterial und Rückreise zum Startpunkt sind bereits inklusive. Das nennt sich KAT-Bike Rundum Sorglos Paket und der Name hält, was er verspricht.
Information vorab: Da jede Variante für sich eigentlich mehrere Tage in Anspruch nimmt, enthalten unsere Tagesrouten nur Teilstrecken davon. An vier Tagen fahren wir je eine andere Variante. Kein komplettes Durchradeln aller Routen, sondern ein Querschnitt: ein Tag KAT Bike Light, ein Tag Sternradtour, ein Tag Sport+, ein Tag E-njoy. So können wir den Charakter jeder Variante erleben, ohne vier Wochen Urlaub einzuplanen.
Der Wettergott meinte es gut mit uns. Perfekte Bedingungen, Fernblicke ohne Ende und gleich mehrere Sonnenaufgänge, für die sich das frühe Aufstehen mehr als gelohnt hat. Was wir in diesen Tagen erlebt haben? Erzählen wir euch hier – Variante für Variante.
© wanderlustallgäuLos ging's mit einer Teilstrecke auf dem KAT-Bike Light, genau die richtige Variante, um in die Tour zu starten, ohne sich direkt zu verausgaben. Was uns sofort begeistert hat, war die unglaubliche Ruhe und Abgeschiedenheit. Unser Tag begann mit einem Blick auf die Wallfahrtskirche und das Kloster Mariastein. Koffer aus dem Chalet ziehen, an der Rezeption abgeben und los geht's. Da die Light Route eigentlich auf sechs bzw. sieben Tage ausgelegt ist, haben wir uns für einen repräsentativen Tagesabschnitt entschieden. Und der hat definitiv Lust auf mehr gemacht.
Die Light Variante führt überwiegend steigungsfrei durch die Täler der Kitzbüheler Alpen, meist auf gut ausgebauten Radwegen und ruhigen Nebenstraßen entlang von Flüssen. Kein Powern, kein Hecheln. Dafür Wiesen, kleine Orte wie Mariastein, Angath und Angerberg und jede Menge Zeit, die Landschaft wirklich wahrzunehmen.
Entlang der Brixentaler Ache und später durchs Windautal wurde schnell klar: Hier geht es nicht darum, möglichst viele Höhenmeter zu sammeln, sondern möglichst viele schöne Momente mitzunehmen.
Das Windautal hat uns besonders beeindruckt. Es ist ruhig, ursprünglich und wirkt an vielen Stellen fast unberührt. Morgens springen einem schon mal Rehe direkt vor dem Fahrrad über den Weg. Dazu hört man Kuhglocken, das Rauschen der Windauer Ache und sonst erstaunlich wenig.
Und dann war da noch der Gepäckservice. Morgens abgeben, abends wiedersehen. Unser Koffer hatte quasi seine eigene VIP-Tour durch die Kitzbüheler Alpen, während wir entspannt in die Pedale getreten sind. Klingt nach Luxus, ist aber einfach Teil des Standardpakets.
💡 Tipp: Wer die Light-Variante als sanften Einstieg in die KAT-Bike-Welt nutzen möchte, macht damit nichts falsch. Gerade für alle, die mehr Wert auf Entschleunigung legen als auf Streckenrekorde, ist das die perfekte Wahl.
Tag zwei brachte eine neue Variante und ein Konzept, das wir sofort lieben gelernt haben: die KAT-Bike Sternradtour. Das Prinzip ist denkbar einfach. Man bleibt mindestens drei Nächte in derselben Unterkunft und startet jeden Tag zu einer anderen Runde. Von Almwiesen über Bergpanorama bis zu kleinen Dörfern wartet hinter jeder Kurve ein neues Postkartenmotiv.
Das Bett bleibt trotzdem dasselbe. Weniger Kofferpacken, mehr Bike Zeit. Für alle, die ankommen und dann wirklich Urlaub machen möchten, ist das die ideale Variante. Wir haben uns die Kienzlingrunde mit Start und Ziel in Westendorf ausgesucht. Eine Tour durchs Brixental, die einmal mehr zeigt, wie vielseitig diese Region ist.
Ein kulinarisches Highlight möchten wir dabei nicht unerwähnt lassen: das Hirschragout im Gasthof Steinbock. Absolut hervorragend. Und die Portionen waren so großzügig, dass man sich danach problemlos noch eine weitere Etappe zugetraut hätte.
Von gemütlichen Genussrunden über aussichtsreiche Panoramatouren bis hin zu sportlicheren Strecken lässt sich die Sternradtour flexibel an die eigene Kondition anpassen. Man kann jeden Tag neu entscheiden, worauf man Lust hat.
Was die Sternradtour besonders macht:
© wanderlustallgäu
© wanderlustallgäuNach zwei eher entspannten Tagen wurde es Zeit für die sportliche Seite des KAT-Bike. Zum Glück waren wir bestens vorbereitet: Am Abend zuvor hatten wir im Hotel Penzinghof einen entspannten Wellnessabend verbracht. Mit Blick auf den Wilden Kaiser im Infinity Pool fällt Erholung nicht besonders schwer.
Der KAT Bike Sport+ umfasst normalerweise rund 147 Kilometer und mehr als 5.300 Höhenmeter. Komplett gefahren sind wir ihn natürlich nicht. Die Etappe über die Stanglalm Richtung Harschbichl hat aber völlig gereicht, um den Charakter dieser Variante kennenzulernen. Auf dem Weg nach oben wird man landschaftlich so sehr belohnt, dass man teilweise gar nicht weiß, ob man zuerst Richtung Kitzbüheler Horn oder Wilder Kaiser schauen soll. Zum Glück ist die Strecke hervorragend ausgeschildert. Selbst wenn der Blick ständig in die Landschaft wandert, verfährt man sich nicht. Ein willkommener Zwischenstopp war die Stanglalm. Und ja, der Kaiserschmarrn war hervorragend.
Oben angekommen warteten Panorama und Trailspaß gleichermaßen. Der Harschbichltrail bot genau das, was man sich von einem guten Trail erhofft: Flow, Action und dieses Leichtigkeitsgefühl nach der Abfahrt. Technisch bewegt sich der Trail zwischen flüssigen S1 Passagen, anspruchsvolleren S2 Abschnitten und einzelnen knackigen S3 Stellen. Dani hat sich die komplette Abfahrt nicht entgehen lassen und den Trail bis ins Tal gefahren. Jane hat sich für die entspannte Forstweg Umfahrung entschieden. Genau das macht die Route so angenehm: Jeder kann sie auf seine Weise fahren. Wer die komplette Sport+ Variante fährt, darf sich außerdem auf den Fleckalmtrail und den Hahnenkammtrail freuen.
💡 Tipp: Alle Trails können über alternative Routen umfahren werden. Das macht die Variante auch für weniger technikaffine Fahrer interessant.
Zum Abschluss stand der KAT-Bike E-njoy auf dem Programm, die Variante, wegen der wir ursprünglich wiedergekommen sind. Startpunkt: Fieberbrunn. Schon dort fällt ein Blick auf den Wilden Kaiser auf, den wir so bisher noch nicht kannten. Aus dieser Perspektive wirkt das Gebirge noch einmal ganz anders. Die E-njoy Variante umfasst normalerweise rund 146 Kilometer und knapp 4.800 Höhenmeter. Wir haben nur einen Ausschnitt davon erlebt, aber genug, um zu verstehen, worum es hier geht: ankommen, schauen, genießen.
Mit E-Bike Unterstützung ging es entspannt zu den schönsten Aussichtspunkten rund um die Buchensteinwand. Das absolute Highlight: das Jakobskreuz, das größte begehbare Gipfelkreuz der Welt (ca. 30 Meter Höhe). Von der Buchensteinwand reicht der Blick an klaren Tagen bis zum Großglockner. Diese Fernsicht haut uns jedes Mal aufs Neue um. Einer dieser Orte, an denen man automatisch länger bleibt als geplant. Für die Hoametzl Hütte haben wir sogar bewusst einen kleinen Umweg eingebaut und zusätzliche Höhenmeter in Kauf genommen. Die Hütte kennen wir bereits von früheren Besuchen und kommen immer wieder gerne zurück, da der Ausblick absolut unschlagbar ist: Der Blick auf die Loferer und Leoganger Steinberge ist einfach jedes Mal einzigartig.
Einen Abstecher zum Pillersee haben wir uns übrigens bewusst für den nächsten Besuch aufgehoben. Nach einer Bike Tour ein SUP mieten und ins Wasser springen, klingt schließlich nach einem ziemlich guten Plan. Der Name E-njoy passt perfekt. Das E steht für E-Bike, das Enjoy für das, was man dabei automatisch macht. Die Variante eignet sich für E-MTB Fahrer ebenso wie für sportliche Genussradler und Familien, die möglichst viele Highlights erleben möchten.
© wanderlustallgäuVier Tage, vier Varianten, unzählige Eindrücke. Ja, wir haben jede Variante nur in Teilen erlebt. Aber manchmal reicht ein guter Vorgeschmack, um zu wissen, dass man wiederkommt. Und genau das ist der Plan.
Besonders die komplette Sport+ Route mit dem Bio-Bike steht inzwischen ziemlich weit oben auf unserer Liste. Was uns am meisten beeindruckt hat: Der KAT-Bike funktioniert wirklich für unterschiedlichste Ansprüche. Ob Genussradler auf dem Light, Urlauber mit festem Standort bei der Sternradtour, Trailfans auf dem Sport+ oder E-Biker beim E-njoy, jede Variante hat ihren eigenen Charakter.
Gleichzeitig verbindet sie alle eines: Man erlebt die Kitzbüheler Alpen intensiv, ohne sich ständig um Organisation kümmern zu müssen. Das Rundum Sorglos Paket macht vieles einfacher und sorgt dafür, dass man sich auf das konzentrieren kann, worum es eigentlich geht: draußen unterwegs sein.
Und während wir am letzten Morgen wieder auf die Berge blicken, wird uns klar: Manchmal braucht es einfach einen zweiten Anlauf. Vor allem, wenn der erste buchstäblich ins Wasser gefallen ist. Der KAT-Bike hat definitiv Wiederholungspotenzial. Wir kommen wieder.
Unsere besten Tipps auf einen Blick:
* Die Beschilderung entlang der Routen ist hervorragend, zusätzliche Navigation ist meist nicht notwendig
* Gepäck auf max. 15 kg beschränken – das ist das Limit beim inkludierten Gepäcktransport
* Frühzeitig buchen – die bikefreundlichen Qualitätsunterkünfte sind in der Saison schnell ausgebucht
* E-Bikes und Hardtails lassen sich bei lokalen Verleihern in der Region mieten, wer kein eigenes Rad mitbringt
* Früh starten lohnt sich, gerade im Windautal erlebt man die Region dann besonders ruhig und ursprünglich
* Anreise ohne Auto ist möglich und empfehlenswert
* Am Jakobskreuz etwas mehr Zeit einplanen, die verschiedenen Aussichtsplattformen bieten immer wieder neue Perspektiven
Dani & Jane
@wanderlustallgaeu
© wanderlustallgäu