Die Stahlgeschichte vom PillerseeTal

Haben Sie schon einmal vom Pillerseestahl gehört?
Nein?
Noch vor 500 Jahren war er in aller Munde und weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.
Bereit für eine Reise in die Zeit von Bergbau, Silber und Stahl?
Los geht’s!

Es war einmal vor langer Zeit ... Ja, so beginnen normalerweise Märchen. Unsere Geschichte dreht sich stattdessen im wahrsten Sinne des Wortes um „stahlharte“ Fakten. Wo heutzutage ein schier endloses Angebot an Outdoor-Aktivitäten in einer atemberaubenden Naturkulisse und der Tourismus die Region PillerseeTal dominieren, war vor fast 500 Jahren noch ein ganz anderer Wirtschaftszweig vorherrschend: der Bergbau auf Silber sowie später auf Eisenerz, mit ihm die Herstellung von Eisen und dem weltbekannten Pillerseestahl.

2 Rosenberger Schlösser 1842Thomas Ender bearbeitet© Heimatverein Pillersee



Der Anblick der kleinen Stahlproduktion rund um das Schloss Rosenegg, umgeben von Wäldern und Bergen, war so idyllisch, dass ihn der berühmte österreichische Landschaftsmaler Thomas Ender auf Leinwand festhielt. Sein Bild stammt aus dem Jahre 1842.

Am Anfang war das Silber

Im Jahre 1539 wurde am Rerobichl in der Gemeinde Oberndorf erstmals Silber entdeckt. Diese Botschaft erreichte auch den erfolgreichen Unternehmer Hans Rosenberger aus Augsburg, der sich sogleich zwei Schürfungen am Fundort sicherte. In der besonders waldreichen Gegend des PillerseeTals, in Fieberbrunn, ließ er ein Hüttenwerk, eine vorindustrielle Anlage, in der aus Erzen Metall gewonnen wird, errichten. Was noch fehlte war ein entsprechendes Verwaltungsgebäude. Gesagt getan: Die Geburtsstunde des Schlosses Rosenegg hatte geschlagen.

Aufgrund seines wirtschaftlichen Erfolges pflegte Rosenberger Kontakte zum europäischen Adel und unterstützte viele namhafte Personen finanziell. Im Jahr 1559 wurde ihm diese Großzügigkeit aber zum Verhängnis, denn der französische Kaiser Heinrich II. starb plötzlich und nahm seine Schulden mit ins Grab. Daraufhin blieb dem Augsburger Unternehmer nichts anderes mehr übrig, als die Zahlungsunfähigkeit anzumelden.

Um einer Gefangennahme aufgrund einer Schuldhaft in seiner Heimatstadt zu entgehen, flüchtete Hans Rosenberger mit seiner Frau sowie seinen beiden Söhnen auf sein Schloss Rosenegg in Fieberbrunn.
Zukunftsprognosen holte sich der Geschäftsmann von dort aus von keinem Geringeren als Nostradamus höchstpersönlich und hielt zu diesem Zwecke regelmäßigen Schriftverkehr mit ihm.

Die stählerne Vergangenheit Fieberbrunns

Einige Jahre später führten die beiden Söhne das weiter, was der Vater begonnen hatte. Sie entdeckten die besonderen geologischen Verhältnisse Fieberbrunns für den Bergbau auf Eisenerz, die sich aus der Lage im Grenzgebiet zwischen Kalkalpen und Grauwackenzone ergeben, und fingen an, in Fieberbrunn Eisenstein abbauen zu lassen. Unterhalb der Gebraspitze lagen die beiden größten und wichtigsten Bauwerke: Gebra und Lannern. In der Hütte Fieberbrunn wurde das Eisenerz dann zu Roheisen und in Folge zum hochwertigen Pillerseestahl weiterverarbeitet. Auch nachdem die Rosenberger Fieberbrunn um 1670 verlassen hatten, Grund war vor allem ihre Zugehörigkeit zum protestantischen Glauben, was zunehmend zu Konflikten führte blieb das Hüttenwerk rund um das Schloss Rosenegg und mit ihm Bäckerei, Brauerei, Mühle, Wirtshäuser und alle technischen Gebäude wie Hochöfen und Werkstätte bestehen. Der Mittelpunkt sowie die strategische Zentrale der kleinen, sich blühend entwickelnden Stahlmetropole war und blieb das Schloss Rosenegg. Der Bergbau sowie die Eisen- und Stahlwerke sollten für die nächsten 300 Jahre den bedeutendsten Industriezweig der Region darstellen und verhalfen dem Ort zu einem Bekanntheitsgrad, der weit über die Grenzen hinausging.

Gebra Lannern 1911 Bild© Heimatverein Pillersee

Das ehemalige Bergbaugebiet Fieberbrunns mit der Knappen-Kapelle St. Daniel und dem Berghaus am Gebra-Lannern. Unterhalb der Gebraspitze lagen die beiden größten und wichtigsten Bauwerke, genannt Gebra und Lannern.

Ein Schloss für die Gäste

Einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte des Pillerseestahls und des Schlosses Rosenegg bildet die Eröffnung der Eisenbahn im Jahr 1875. Die Giselabahn, benannt nach der Tochter von Kaiser Franz Josef und seiner Gemahlin Elisabeth (alias "Sisi"), dampfte in diesem Jahr das erste Mal die Strecke von Salzburg über Bischofshofen, Schwarzach-St. Veit und Fieberbrunn nach Wörgl. Die Bahn war zwar das Ende für den Pillerseestahl, da sich das Eisen auf den Schienen billiger von Leoben oder dem steirischen Eisenerz hertransportieren ließ, zugleich aber auch der Anfang für eine neue Ära: Denn die ersten Gäste entdeckten die schöne Region für sich. Sie erfreuten sich schon damals an der atemberaubenden Naturkulisse und den vielseitigen Wandermöglichkeiten. Im Jahr 1936 passte sich das Schloss Rosenegg dieser neuen Entwicklung an und verwandelte sich in ein Schlosshotel, welches die Entwicklung des "Fremdenverkehrs" in der Region wesentlich prägte. Bis heute können Gäste aus nah und fern dort eine erholsame Auszeit verbringen.

Schloss Rosenegg Foto Ad Künz ca 1938© Heimatverein Pillersee

Nachdem kein Stahl mehr im PillerseeTal hergestellt wurde, verwandelte sich das Schloss Rosenegg in ein Hotel, das bis heute Gäste aus nah und fern beherbergt.
Die Aufnahme entstand in den Anfängen des Schlosshotels um ca. 1938.

Der Stahl vom PillerseeTal

Hüttwerk mit rauchendem Schlot© Heimatverein Pillersee

Der Pillerseestahl, wie der in Fieberbrunn hergestellte Stahl genannt wurde, überzeugte mit seiner einzigartigen Qualität und kassierte dafür Auszeichnung über Auszeichnung ein. So gab es sogar bei der ersten Weltausstellung überhaupt, 1851 in London, einige Prämierungen. An manchen Stellen hat sich die Qualität bis heute bewährt: Die Glieder der Kettenbrücke in Innsbruck wurden aus Pillerseestahl geschmiedet und auch das stählerne Kreuz am Wildseelodergipfel gilt als eines der letzten sichtbaren Zeugnisse der heimischen Schmiedekunst.

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Dorfwanderung "Vom Bergbau zum Tourismus"

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Hans Rosenberger© Heimatverein Pillersee



Hans Rosenberger, 1510-1565 war als Bauherr vom Schloss Rosenegg sowie Kaufmann und Geldgeber in Augsburg und Fieberbrunn tätig.

Etwas Geschichtliches....

  • um 1540 - Errichtung des Hüttenwerks Fieberbrunn, sowie von Schloss Rosenegg
  • 1559 - Familie Rosenberger flüchtet auf das Schloss Rosenegg
  • 1603 - Pillerseer Eisen- und Stahlgesellschaft wird gegründet
  • 1670 - Die Rosenberger verlassen Fieberbrunn
  • 1875 - Eröffnung der Eisenbahn
  • 1908 - Ender der Stahlerzeugung im PillerseeTal
  • 1936 - Schloss Rosenegg wird zum Schlosshotel
Linda

Linda

Als waschechte Tirolerin liebe ich alles, was unser wundervolles Fleckchen Erde so besonders macht: Die atemberaubende Bergwelt, die einzigartigen Traditionen und all die spannenden Geschichten, die sich dahinter verbergen. Darüber zu schreiben zählt zu meinen großen Leidenschaften. Besonders in den Bann ziehen mich „bärige“ Geschichten aus dem PillerseeTal. Mehr Details

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Wolfhart Fritsche

Antworten

Sehr geehrte Damen und Herren! Ich bin in St.Johann / Tirol auf gewachsen. Wohne jetzt hier in Witten ( Ruhr) seid 1971. Ich arbeitete in einer Möbelfabrik für Kranken-und Pflegebetten. Mit der Geschichte über Bergbau kam ich über den Amateurfunk hier in Witten zusammen. In Herbede bei Witten wurde die Kohle von einem Schafhirten endeckt. So zur Geschichte zur Kohle. Ich habe nicht gewußt,daß in Fiebebrunn Eisen hergestellt wurde. Roererbichl in Oberdorf das wußte ich aus der Schulzeit. Der wunderschöne Bericht aus Fieberbrunn hat mir sehr gut gefallen .So lernt man nie aus. Mit freundlichen Grüßen Wolfhart Fritsche Amateurfunker aus Witten

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