Auf's Lama gekommen

Eine tierisch coole Wanderung

Bereits die Anfahrt zu Barbaras Haus in Fieberbrunn ist ein Abenteuer. Während die Straße schmäler wird und die Schneewände höher werden, ahne ich: Hier geht es irgendwann nicht mehr weiter. Und kurz bevor es so weit ist, steht da der Hof von Barbara Steinacher. In Alleinlage mit Blick auf Wiesen, Wälder und Berge und in absoluter Ruhe.

Freundlich begrüßt sie uns an diesem eisigen Wintertag, und schon marschieren wir den Weg hinunter zum alten Bauernhaus ihrer Urgroßeltern, das nun als Unterstand für die Lamas dient. Drei dieser exotischen Tiere leben hier: Loriot, Ronaldo und Simon. Wie Barbara aufs Lama gekommen ist, erzählt sie mir während des Spaziergangs durch die idyllische Winterlandschaft. Den machen wir allerdings nicht allein, sondern mit den wuscheligen Vierbeinern.

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Barbara Steinachers "Lamahaus" in der Naturidylle

Ein Tier mit gutem Instinkt

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Loriot: feinfühlig & sensibel

„Jeder sucht sich selbst sein Lama aus, das er führen möchte“, erklärt mir Barbara. Instinktiv nehme ich Loriot. „Er ist der Chef und geht immer vor“, meint sie. Ich bin überrascht und denke mir: Okay, das passt eigentlich. Als ich auf ihn zugehe und ihn losbinde, merke ich sofort, wie feinfühlig und sensibel dieses Tier ist. Und auch skeptisch, denn Loriot weicht immer ein bisschen zurück. Barbara erklärt mir: „Die Lamas halten sich anfangs zurück und brauchen eine Weile, bis sie sich auf die Person an ihrer Seite einstellen.“ Ich bin gespannt, und wir marschieren los.
Barbara und Ronaldo gehen hinter uns. „Man hält immer ein wenig Abstand, denn die Lamas spucken nur, wenn sie sich von einem anderen Lama bedrängt fühlen oder wenn es um Futterneid geht.“ Das Sekret, das ausgespuckt wird, ist unverdautes Heu oder Gras. Nicht so schlimm, wenn man es abbekommt, es riecht nur ziemlich streng.

Wir spazieren die verlassene Straße entlang, links und rechts glitzern die schönsten Schneekristalle. Ronaldo wird übermütig und springt immer wieder in den Schnee hinein. Loriot beobachtet ihn bloß. „Wie bist du zu den Lamas gekommen?“, frage ich Barbara. „Meine Eltern hatten immer Tiere auf dem Hof, und als ich ihn übernommen habe, wollte ich auch welche, aber besondere. Und ich finde, Lamas sind sehr besondere Tiere. Sie sind feinfühlig, lustig, friedlich, es macht einfach Spaß, mit ihnen zu wandern. Zudem ist es abwechslungsreich und im wahrsten Sinne des Wortes ein Abenteuer, denn ich weiß nie, was passiert. Die Lamas sind jedes Mal anders, die Teilnehmer auch. Man muss vieles auf sich zukommen lassen.“

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Der Chef der Herde führt die Truppe an

Drei starke Charaktere

Was Barbara über ihre Erfahrungen zu berichten hat, ist sehr interessant. Dass die Lamas sich an die Menschen anpassen, zeigt sich zum Beispiel daran, dass sie sehr ruhig sind, wenn auch die Gruppe ruhig ist. Und wenn Kinder dabei sind, die fröhlich sind und viel hüpfen, verhalten sich die Lamas genauso. Sie stellen sich auf ihre Begleiter ein, weshalb man auch sagt: Das Lama ist dein Spiegelbild. Als Barbara die unterschiedlichen Charaktere ihrer drei Lamas beschreibt, wird mir klar, dass für jeden Typ Mensch eins dabei ist. Sie erklärt, dass Loriot der Chef ist, weil er Ruhe ausstrahlt, sensibel ist und die Gruppe zusammenhält. Simon, der Jüngste in der Runde, ist das Angsthäschen. Er geht immer in der Mitte der Gruppe und ist ein kleiner Vielfraß. Das Schlusslicht bildet Ronaldo, der dunkelbraune. Er ist der Macho unter den dreien, und das lässt sich auch optisch eindeutig zuordnen. Barbara beschreibt ihn als lustig und kinderlieb..

Anti-Stress-Programm in der Natur

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Relaxter Spaziergang in tierischer Begleitung

Wir spazieren weiter, und ich finde es extrem spannend, wie sehr man mit dem Tier und der Landschaft beschäftigt ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass gestresste Personen oder sehr aktive Kinder beim Spazieren mit dem Lama ruhig werden und die Zeit vergessen. Barbara bestätigt mir, dass Lamawandern sehr entschleunigend ist. Es geht nicht darum, Kilometer zu machen, sondern die Natur zu genießen und sie bewusst zu erleben. Und auch das kann ich beim Anblick der Loferer Steinberge und dem Wilden Kaiser sehr gut nachvollziehen.

Barbara bietet ein Schnupper-Trekking an, das ca. zwei Stunden dauert und bei dem Kinder ab fünf Jahren mitmachen dürfen. Vier Stunden ist man bei der Morgenwanderung unterwegs, in die ein Almfrühstück inkludiert ist. Wer mag, kann sogar mit den Lamas Geburtstag feiern – das ist besonders bei Kindern sehr beliebt – und eine superoriginelle Party an der frischen Luft, mit viel Spaß und Bewegung.Ein wahrer Geheimtipp, der Ausflug mit den Lamas. Leider geht die Tour bereits dem Ende zu. Zurück am Hof erhalten die Lamas ein „Leckerli“ – und zwar getrennt voneinander, damit sie nicht spucken. Danach werden ihnen die Halfter abgenommen, und sie dürfen zurück in ihr Reich. Wir machen es uns am Lagerfeuer gemütlich. Barbara schenkt mir warmen Tee ein und reicht mir einen selbstgemachten Hollerschnaps. Dann gibt sie mir das Lama-Tourenbuch, in das sich all ihre Gäste eintragen. „Es war ein ganz besonderes Erlebnis …“, wird in meinem Eintrag stehen.

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