SPEASCHT – eine Herausforderung zu meistern

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Eine wohl bekannte Melodie riss mich aus dem Schlaf. Ich schaute auf mein Handy und es war der 07.07.2018, 04:45 Uhr. Eigentlich zu früh für einen Samstagmorgen, jedoch hatten wir uns heute etwas ganz Spezielles vorgenommen. "Speascht" hieß unser heutiges Unterfangen - eine Speed-Hiking-Veranstaltung mit Aussichten auf atemberaubende Gipfel rund ums Spertental in Kirchberg in Tirol. Wirklich vorbereitet hatte ich mich nicht, es fehlte einfach die Zeit. Einige Bergtouren an den Sonntagen, aber niemals weitere Distanzen, oder überdurchschnittlich viele Höhenmeter. Beim Frühstücken öffnete ich Facebook um mir den Start der Speascht – Extreme Distance anzusehen. Um Mitternacht ging es für alle, die sich für die lange Variante von 68 km und 4500 Höhenmeter entschieden hatten, los. Meine Gedanken kreisten bei den Teilnehmern, denn es hatte in der Nacht geregnet und ein zäher Nebel verbarg die Berggipfel. Mit der Hoffnung, dass wir es bei der „Light Distance“ etwas besser erwischen würden, machte ich mich fertig. Ich musste mich etwas beeilen, denn um 05:30 Uhr wollte ich mich mit meinem Teamkollegen in Kirchberg treffen. Am Treffpunkt angekommen erblickte ich ein paar bekannte Gesichter, die sich auch für den Start um 06:00 Uhr beim Cafe Hochland in Aschau bereit machten. Gemeinsam mit meinem Teamkollegen Hannes stellten wir uns mit dem herrlichen Teamnamen „Hons und Sepp hoaßt jeder Depp“ dieser Herausforderung. Uns standen etwas mehr als 35 km und 2500 Höhenmeter bevor. Wie die anderen waren auch wir sehr motiviert und so konnte uns der Nebel und das grau in grau nichts ausmachen. Immerhin hatte es beim Start nicht geregnet.

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Insgesamt 10 Zweier-Teams machten sich bereit. Die Kirchenglocken meldeten sich pünktlich um 06:00 Uhr und damit fiel auch der Startschuss. Es fühlte sich in diesem Moment gar nicht wie ein Wettlauf um die beste Zeit an, sondern eher wie eine Gruppenwanderung. Den meisten ging es gleich – das Bestehen und das Ankommen im Ziel stand im Vordergrund. So machten sich 22 Teilnehmer und 1 Hund auf Richtung Stieralm. Nach 8,5 km erreichten wir die erste Labestation. Das Angebot hat mich wirklich überrascht. Von Suppe bis Würstel, Speck, Käse, Obst, Gemüse, diverse Getränke, Süßigkeiten und Schnaps konnte man alles haben.

Während wir uns stärkten, fing es leicht an zu regnen. Nach 15 Minuten machten wir uns dann wieder auf den Weg, denn es wurde recht schnell kühl. Dann die erste große Überraschung: Die ersten Teilnehmer der Extreme Distance – Variante kamen uns entgegen, da sie auch zur Labestation mussten. Das hätten wir uns nicht gedacht, dass wir so früh schon die Ersten zu Gesicht bekommen würden. Sie waren noch guten Mutes, obwohl Sie schon mehr als die Hälfte der Strecke von etwa 70 km gemeistert hatten.

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Unser Weg führte uns über einige Bäche, die auf Grund der starken Regenfälle sehr viel Wasser führten. Zum Teil hatten wir einige Probleme diese zu überqueren, deshalb mussten immer die richtigen Stellen gefunden werden. An der Westerach Hochalm vorbei folgte der Aufstieg zur Geigenscharte (2028m). Hier wichen Hannes und ich etwas von der vorgegebenen Route ab um einen kleinen Abstecher nach Salzburg zu machen.

Nun hatte sich das Teilnehmerfeld bereits etwas aufgeteilt und wir waren mittendrin. Nach 11 km stetigen Anstieg ging es nun auf und ab von Gipfel zu Gipfel. Die Aussicht konnten wir leider noch nicht genießen. Zum Glück waren wir alle gut ausgerüstet. Den ersten Gipfel, den wir erreichten, war das Gamsbeil (2169m). Viele der Teilnehmer trafen gleichzeitig ein und wünschten sich gegenseitig ein „Bergheil“. Ein Gipfelschnaps durfte natürlich auch nicht fehlen und schon ging es wieder weiter. Zu langes Halten war auf Grund der kühlen Temperaturen nicht ratsam.

So zogen wir weiter. Den Westerachkopf (2096 m) passierten wir im Vorbeigehen. Über den Schwarzkogel (2089 m), Großen Tanzkogel (2097 m), kleinen Tanzkogel (1974m) ging es zum Gerstinger Joch (2043 m). Hier befand sich eine Stempelstelle und da es inzwischen 11:20 Uhr war, entschieden wir uns etwas zu essen. Auf solch einer langen Wanderung durfte man seinen Energiebedarf nicht unterschätzen. Das Gerstinger Joch markierte auch etwa die Hälfte der zurückzulegenden Strecke.

Über einen etwas feuchten Umweg machten wir uns zum Floch (2053 m) auf. Die Sonne blinzelte immer wieder durch und es wechselte ein Mix aus Nebel, Sonnenschein und Regentropfen. Inzwischen spürte man, dass schon einige Stunden hinter uns lagen. Deshalb war es immer wichtig, motiviert zu bleiben. Mit dem Wissen im Hinterkopf, dass nicht mehr so viele Gipfel vor uns waren, wanderten wir weiter. Jedoch sollte man Entfernungen nicht unterschätzen, wie sich später noch herausstellte.

Am Brechhorn (2032 m) erwarteten uns drei nette Damen vom Tourismusverband. Sie hatten noch einmal alles Nötige dabei. Hier erfuhren wir auch, dass inzwischen Teams aufgegeben hatten. Besonders bei der langen Variante war die körperliche, sowie mentale Herausforderung immens. Aber auch bei der kürzeren Tour kam man immer wieder an seine Grenzen. Nun folgte ein Abstieg zum Kreuzjöchlsee. Die Sonne wurde inzwischen zu unserer ständigen Begleiterin.

Vor dem letzten Anstieg auf den Gaisberg konnten wir uns noch einmal bei der Labestation Skiwiege stärken. Zu diesem Zeitpunkt waren zwei Teams, die gemeinsam unterwegs waren, vor uns. Somit befanden wir uns auf dem dritten Platz. Immer noch motiviert stiegen wir ein letztes Mal auf. Vorbei am Gaisbergjoch (1749m) zum Gaisberg (1770 m).

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Hier trafen wir auf eine Wanderin, die meinte, dass wir gar nicht so weit hinter den Führenden zurück lagen. Von dieser Nachricht angespornt, sprinteten wir mit flotten Schritten bergab. Vorbei an der Bärstättalm Richtung Bergstation Gaisberglift. Nun war nur noch der Weg über die Rodelbahn zu nehmen. Auf halber Strecke beim Gasthaus Obergaisberg trafen wir wieder auf unsere Kontrahenten, jedoch machten sich diese schon wieder auf den Weg. Wir entschieden uns für eine kleine Pause, da uns der schnelle Abstieg ziemlich geschafft hatte. Ein Blick auf die Uhr verriet uns jedoch, dass eine Streckenzeit unter 12 Stunden möglich wäre und so machten wir uns wieder mit einem leichten Laufschritt talwärts auf den Weg. Durch das Dorf erreichten wir schlussendlich das Ziel beim Kreisverkehr (Bar Servus).

Speascht © Josef K. Steiner

Mit einer Zeit von 11:53:00 waren wir um 10 Minuten langsamer als die Ersten. Stolz erreichten wir den dritten Platz. Laufend kamen weitere Teams im Ziel an. Am Ende erreichten von 22 Mannschaften 18 das Ziel.

Die Bestzeiten waren:
Extreme Distance – Intersport Patrick Mountainrockers - 14:47:00
Extreme Distance Laufen – ARGE Kärnten Irland - 13:28:16
Light Distance – BBT & Die 2 Oldies – 11:53:05

Bei der anschließenden Pastaparty wurden wir wunderbar verköstigt. Eine kleine aber feine Siegerehrung umrandete das Spektakel. Abschließend möchte ich der gesamten Veranstaltung ein durchwegs positives Fazit ausstellen. Die Organisation hat gut funktioniert, es gab die Möglichkeit jederzeit auszusteigen, wenn man glaubte, der Hausforderung nicht gewachsen zu sein. Vielleicht sollte man im nächsten Jahr noch eine 3. Variante andenken, um mehr Leute zu einem Mitmachen zu bewegen. Schlussendlich möchte ich meinen tiefen Respekt allen Teilnehmern gegenüber aussprechen und freue mich schon auf das nächste Jahr.

Hier findet ihr noch wichtige Links zur Veranstaltung:
Speascht: www.goas-race.at
Infos zu den Gipfeln: www.kitzbuehel-alpen.com
Hier geht's zur Anmeldung für 2019: www.kitzbuehel-alpen.com/anmeldung

Sepp

Sepp

Mein Name ist Josef Konrad Steiner, aber die meisten nennen mich einfach Sepp.
Ich bin Landwirt, Fotograf aus Leidenschaft, manchmal etwas philosophisch und zudem unheimlich gerne in der Natur unterwegs.
Auf meinem Weg sammle ich viele Eindrücke und diese möchte ich mit euch teilen.
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