Kaminkehrer Hannes Harasser im Portrait

Schwindelfreies Jobprofil

In unserem Blogbeitrag berichtet „Glücksbringer“ Hannes Harasser über die Vielseitigkeit seines Jobs und die täglichen Herausforderungen als Kaminkehrermeister.

Wir durften Hannes Harasser einen Tag über die Schulter blicken und waren bereits vom Arbeitsweg des Kaminkehrermeisters aus dem PillerseeTal fasziniert. Im Winter fährt der PillerseeTaler von Hütte zu Hütte – und zwar auf Skiern. Statt Skistöcken hält er eine Kehrbürste und einen kleinen Besen in den Händen. Am Ziel angekommen klettert Hannes auf das schneebedeckte Dach, um den Kamin in Augenschein zu nehmen. „In jungen Jahren war diese Prozedur noch wesentlich einfacher“, meint der Kaminkehrer schmunzelnd, bevor er sich an die Arbeit macht. Seit 35 Jahren ist er in seinem Beruf tätig, seit 2003 als selbstständiger Unternehmer. Mittlerweile hat er sechs Mitarbeiter, darunter zwei Lehrlinge, die er als wahre Glücksgriffe bezeichnet. Der erfahrene Kaminkehrer weiß genau, wie er die junge Generation begeistert: „Die abenteuerlichen Hüttenwartungen im Winter überlasse ich normalerweise meinen Lehrlingen. Das bringt mir als Arbeitgeber definitiv Pluspunkte.“

Kaminkehrer unterwegs im PillerseeTal© PHILIPP.PHOTO

Im Winter fährt der Kaminkehrer Hannes Harasser auf Skiern von Hütte zu Hütte.

Wie alles begann

„Als ich jung war, erzählte mir ein Malermeister, dass er – wenn er noch einmal vor dieser Entscheidung stehen würde – den Beruf des Kaminkehrers erlernen würde. In diesem Augenblick wurde ich zum ersten Mal hellhörig“, erzählt uns Hannes Harasser. Mit 14 Jahren fasste er den Entschluss, selbst diesen Weg einzuschlagen. Nachdem er in St. Johann in Tirol seine Lehrzeit absolviert und viele Jahre in Fieberbrunn gearbeitet hatte, löste er seinen Vorgänger ab und übernahm den heutigen Betrieb. Diese Entscheidung hat er nie bereut.

Kaminkehrer am Dach© PHILIPP.PHOTO

Statt Langeweile gibt es als Schornsteinfeger jede Menge Action an der frischen Luft.

Umfangreiches Aufgabengebiet

Je nach Brennstoff müssen die Kamine ein bis vier Mal pro Jahr kontrolliert werden. Um die Einteilung der Touren und die Terminvereinbarungen mit den Kunden kümmert sich Hannes selbst. Bei der Überprüfung müssen er und seine Mitarbeiter feuerpolizeiliche Vorgaben einhalten. Die Kamine werden mithilfe von Rohr- oder Kehrbürsten größtenteils vom Dach, manchmal vom Dachboden und in seltenen Fällen vom Keller ausgehend gekehrt.

Selbst im „Kamin-Business“ ist die Digitalisierung auf dem Vormarsch, wie Hannes erzählt: „Früher wurden alle Arbeiten in einem Buch eingetragen. Heute arbeiten wir mit einer praktischen Kehr-App.“ Auch sonst hat sich im Laufe der Zeit so einiges verändert: Viele Menschen heizen mittlerweile viel umweltbewusster und nutzen hochwertige und saubere Brennstoffe. Zusätzlich zu den Kehrungen baut und saniert Hannes Kamine aller Art, denn die Nachfrage nach gemütlichen Feuerstellen und warmen Kachelöfen ist auch im 21. Jahrhundert ungebrochen groß.

KAMINBESEN© PHILIPP.PHOTO

Die Kamine werden mithilfe von Rohr- oder Kehrbürsten größtenteils vom Dach aus gekehrt.

Sicherheit an erster Stelle

Sicherheit ist das Thema Nummer eins in diesem Beruf. Die häufigste Absturzursache sind unsicher stehende Leitern. Um Unfälle zu vermeiden, gibt es strenge Vorschriften, an die sich alle Beteiligten halten müssen. Als Chef, Kaminkehrer und Vater von vier Töchtern ist Hannes stets um verantwortungsvolles Handeln bemüht – und das nicht nur in seinem Job, sondern auch in seiner Freizeit: „Unsere Heimat ist der ideale Ausgangspunkt für traumhafte Ski-Touren. Gerade in den Bergen ist es äußerst wichtig, die Bedingungen zu kennen und bestimmte Risiken richtig einzuschätzen.“ Seine gewissenhafte Art kommt ihm auch in der Rolle des Kommandanten bei der Freiwilligen Feuerwehr in Fieberbrunn zugute. So sind die Themen Sicherheit und Brandschutz in allen Bereichen seines Lebens verhaftet – wie passend, dass er von Beruf Glücksbringer ist.

Kaminkehrer Hannes Harasser© PHILIPP.PHOTO

Sicherheit steht für den PillerseeTaler Hannes Harasser privat und beruflich an oberster Stelle.

Arbeitsgeräte der Kaminkehrer

Mit diesem Equipment sind die Schornsteinfeger im Einsatz:

  • Arbeitswelle
  • Ausschlaggerät
  • Besen
  • Bürsten
  • Kehrwerkzeug
  • Kettenschleuderkopf
  • Kombipumper
  • Schaufeln
  • Spannzange

Immaterielles Kulturerbe

Schornsteinfeger im PillerseeTal© PHILIPP.PHOTO
Das Handwerk der Kaminkehrer reicht bis ins Mittelalter zurück.

2019 wurde das Kehren, Beschliefen, Patschokieren und kontrollierte Ausbrennen von Rauchfängen von der UNESCO in die nationale Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Diese handwerklichen Techniken reichen bis ins Mittelalter zurück. Bei zwei der Begriffe bedarf es wohl einer Erklärung: Das „Sich-Hindurchzwängen“ durch den Kaminschacht – dieser Vorgang war gerade in Schlössern von Nöten – wurde als „Beschliefen“ bezeichnet. Im 19. Jahrhundert hat sich der enge Kaminschacht durchgesetzt, bei dem es schließlich ausreichte, eine Kugel hinabsausen zu lassen, um Ruß- und Pechverlegungen zu beseitigen. Beim Patschokieren ging es ums Überstreichen des rauchgeschwärzten Putzes mit einem dünnen Mörtel aus fettem Lehm, feinem Sand und Holzasche. Damit beugte man Verstopfungen und Rauchgasvergiftungen vor.

Die Sache mit dem Glück

Dass Schornsteinfeger neben vierblättrigen Kleeblättern oder rosa Schweinchen als Glückssymbol wahrgenommen werden, hat eine lange Tradition. Früher waren die meisten Häuser aus Holz und die Kamine wurden von niemandem gereinigt. Brände, die dadurch nicht selten vorkamen, zerstörten teilweise ganze Ortsteile. Erste Schornsteinfeger kamen im Mittelalter aus Italien. Sie wanderten über die Alpen und boten ihre Dienste auch in Österreich an. Dass es dadurch weniger Brände gab, wurde von den Menschen als großes Glück empfunden. Kaiserin Maria Theresia war es schließlich, die gesetzlich verankerte, dass hierzulande Kamine in Häusern gekehrt werden müssen.

„Ich schätze meinen vielseitigen Alltag und liebe es, so viel Zeit an der frischen Luft zu verbringen. Mein Blick auf die jeweiligen Kamine gewährt mir gleichzeitig auch viele schöne Einblicke in das Leben der Familien.“Hannes Harasser

Lisa Huber

Lisa Huber

Kennen Sie den sogenannten oho-Effekt? Ich spüre ihn immer, wenn ich im PillerseeTal auf Entdeckungsreise gehe. Von den Kraftplätzen der Natur über die besonderen Menschen bis hin zu den sportlichen Herausforderungen ist die Region voller Geschichten, die darauf warten, geschrieben zu werden. Mehr Details

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