Eine Lebensaufgabe hoch oben am Gipfel der Hohen Salve

Hans und Thea Neuschwendter über ihre Arbeit als Messner im Salvenkirchlein

Auf der Hohen Salve, 1829 Meter über dem Meeresspiegel steht ein kleines Kirchlein. Die Johanneskapelle oder auch Salvenkirchlein genannt. Die Kapelle ist seit vielen hunderten von Jahren Ziel von Wallfahrern und Pilgern. Heute ist das Salvenkirchlein auch mein Ziel, denn ich treffe ein Ehepaar, das sich eine ganz besondere Aufgabe zur Berufung gemacht hat: Thea und Hans Neuschwendter, die zwei Hopfgartner, die das Salvenkirchlein am Gipfel betreuen.

Salvenkirchlein© Tirol Werbung | Carlos Blanchard

Gleich zu Beginn erzählen mir die zwei, dass Menschen schon seit unzähligen von Jahren auf die Salvenhöhe gekommen sind. Denn, dass eine besondere Kraft, vom Gipfel der Hohen Salve ausgeht, war schon den heidnischen Urbewohnern der Täler rund um die Kitzbüheler Alpen bekannt.

„Ich empfinde die Hohe Salve auf jeden Fall als Kraftplatz“, sagt Thea zu mir und irgendwie spüre ich es auch: eine besondere Energie geht von diesem Berg aus. Gemeinsam blicken wir vom Gipfel ins Tal. Es ist ein strahlender Tag, fast wolkenlos und die Aussicht ist umwerfend. Nicht umsonst ist die Hohe Salve als schönster Aussichtsberg Tirols bekannt. Hinter uns steht das Salvenkirchlein. „Es ist die höchstgelegenste Wallfahrtskirche Österreichs“, erzählt mir Hans stolz. Er ist Messner auf der Hohen Salve. Gemeinsam mit seiner Frau Thea hat er nach seiner Pensionierung diese Aufgabe übernommen. Sie machen es gerne und mit vollem Herzblut, das sieht man ihnen an.

Hans Neuschwendter„ Am Berg ist es einfach anders. Die Leute sind anders. Offener, freundlicher, dankbarer. Das ist ein Grund, warum wir das tun. Wir fahren hier immer gemeinsam herauf und machen alles zusammen.“

Hüter und Betbrüder gibt es auf der Hohen Salve schon lange. 1617 wurden diese zum ersten Mal schriftlich erwähnt. Messnerdienste zu leisten, einen Ausschank zu betreiben und die Talbewohner vor einem herannahenden Gewitter zu warnen, das waren die Aufgaben der Hüter damals. Auch Hans und Thea sind Hüter auf der Hohen Salve. Sie hüten das Kirchlein, schauen, dass alles sauber ist, verkaufen Kerzen und kümmern sich um den Blumenschmuck. Bei Messen und Andachten sorgen sie dafür, dass alles reibungslos verläuft. Die zwei halten auch selber Andachten und freuen sich über ein Kirchlein, das fast immer voll ist.

„Ganz besondere Tage sind der Johannestag oder der Annatag. An diesen Tagen pilgern mehrere hunderte von Menschen hoch auf die Hohe Salve und ihr Ziel ist das kleine Kirchlein“, schildert mir Thea.

Auch Hochzeiten werden immer wieder in der Johanneskapelle gefeiert. Diese schönen Momente begleiten Hans und Thea unsichtbar im Hintergrund und sorgen dafür, dass es zu einer unvergesslichen Zeremonie für alle Beteiligten wird. Neben diesen fröhlichen Festen sind die zwei Messner aber auch von den stillen Momenten, in denen Menschen ihre Sorgen auf den Gipfel tragen und lautlos eine Kerze anzünden, berührt.

Thea Neuschwendter„ Es sind eben nicht nur die lauten, fröhlichen Momente die es ausmachen. Mich beeindrucken die stillen Beter sehr."

Immer wieder wandern Menschen hoch zum Salvenkirchlein und tragen ihre Sorgen und Leiden vor Gott. Das war auch früher schon so, erzählen mir die zwei Messner. Mit Ton- oder Holzköpfen pilgerte man auf die Hohe Salve. Diese Köpfe wurden dann drei Mal um den Altar getragen und man erhoffte sich so Linderung, vor Allem bei Kopfleiden, Depressionen und Bandscheibenproblemen.

Heute aber gehen viele hinauf zum Kirchlein um Ruhe zu finden, sie haben die Sehnsucht danach, dem Alltag zu entfliehen. „Bei all der Hektik der heutigen Zeit beruhigt das gleichmäßige Gehen, man kommt zu sich selber, man wird im Kopf leer aber im Herzen voll“, meint Thea.

Im Kopf leer aber im Herzen voll. Dieser Satz gefällt mir besonders gut, denn ich merke selber wie ruhig und gleichzeitig doch erfüllt mich das Gehen, besonders das Wandern macht. Und wie schön es doch ist, wenn man sich nach einer Wanderung in ein Kirchlein, so wie das Salvenkirchlein, setzen und noch einmal in der Stille Kraft tanken kann.

© Tirol Werbung | Carlos Blanchard
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© Tirol Werbung | Carlos Blanchard
© Tirol Werbung | Carlos Blanchard
© Tirol Werbung | Carlos Blanchard

Früher hatten die Hüter auf der Hohen Salve noch eine weitere wichtige Aufgabe. Sie mussten die Bewohner der umliegenden Dörfer vor Unwettern warnen, denn hoch oben am Berg, und ganz besonders auf dem sehr freistehenden Gipfel der Hohen Salve, konnten diese die Gewitter schon von Weitem kommen sehen. Die Messner mussten dann ein weißes Leintuch schwenken und die Wetterglocke, den Salvenhund, läuten. Die Bauern im Tal läuteten dann ebenfalls Sturm.

“Wenn der Salvenhund bellt und der Brixner Stier brüllt und das Itterer Katzl schreit, fliehen die Gewitter weit!“, besagt ein altes Sprichwort.

Auch heute noch läuten die Kirchenglocken im Tal wenn sich der Himmel tiefschwarz färbt und die Einheimischen sind sich sicher, dass dies der Grund ist, warum die Region so oft von schlimmen Unwettern verschont bleibt.

Hans und der Salvenhund© Tirol Werbung | Carlos Blanchard

Hans und Thea übernehmen jetzt schon seit fast 20 Jahren den Dienst auf der Hohen Salve. An Ruhestand denken die beiden vorerst noch nicht, denn bevor sie ihre ehrenvolle Aufgabe an Nachfolger abgeben wollen, haben Sie sich noch einiges vorgenommen. „Noch ein paar Baustellen und dann möchte ich es gut übergeben“, meint Hans. In der Zwischenzeit aber genießen die zwei Messner noch ihre verbleibende Zeit hier oben und hüten weiterhin das Kirchlein, wie es schon die Betbrüder vor über 400 Jahren getan haben.

Sandra

Sandra

Die Kitzbüheler Alpen sind mein Zuhause und ich liebe es meine Heimat immer wieder neu zu entdecken. Sport an der frischen Luft und in unserer wunderschönen Bergwelt ist so viel mehr als nur ein Hobby für mich - darin schöpfe ich Kraft, da kann ich meinen Gedanken freien Lauf lassen und zur Ruhe kommen! Mehr Details

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Andre De taey

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Hallo, wir sind seit 40 jahre besucher an Hogarten und Hohe Salve aber wir haben niemals das Hehepar Neuschwendter gesehen oder wir haben in nicht gekannt. Bei unser nachste besuch (mogluch nachstes jahr) suchen wir nach inhen.Letztes mal haben wir verbleben bei Frau Marianne Decker un darfor bei Steffi Berger oder im Gasthof Traube. Wir sagen immer "sie haben eines shones orth und wir sund glucklich bei innen im urlaub zu kommen. Fiele Gruchen un auf wiedersehen. Andre und Frida De taey Haentjens aus Overmere in Belgien.

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