Der Weg ist das Ziel

Jakobskreuz Morgenstimmung nachbearb. © Petra Astner

Imposantes Panorama, traditionelle Orte und urige Almen – das PillerseeTal bietet die ganze Palette an wunderbaren Bergerlebnissen. Mit dem WAIWI, einem mittelschweren Weitwanderweg, kommen Genusswanderer voll aufihre Kosten. Von Waidring aus führt die Route bis zum Wildseeloder in Fieberbrunn.

Auf drei Tagesetappen werden über 50 Kilometer und 3.200 Höhenmeter im Anstiegzurückgelegt. Durchschnittliche Kondition, Trittsicherheit sowie Schwindelfreiheit sollten für diese Tour vorhanden sein. Wir haben die abenteuerlustige Katharina Steglegger im goldenen Herbst auf den Weitwanderweg geschickt. Für die Oberösterreicherin aus dem Salzkammergut ist kein Berg zu hoch und kein See zu tief. DerName ihres Blogs – bergseensucht – spiegelt ihre tiefe Verbundenheit mit der Natur wider.Unterwegs auf dem WAIWI hat Katharina so einiges erlebt und für uns ihre Eindrücke festgehalten. Einfach loslesen und loslassen…

Die Eckdaten

  • 3 Tagesetappen
  • 50 km Distanz
  • 3.200 Hm Aufstieg

Waidring - Hausberg - Schafelberg - Kirchberg - St. Jakob in Haus
(1180 hm Aufstieg & 21,8 km - ca. 8 Stunden Gehzeit)

pause_rechensaualm

In der Mitte des historischen Ortes, am Hausberg Parkplatz (kostenlos), stelle ich morgens mein Auto ab und starte die WAIWI-Tour. Die Bergschuhe geschnürt, den Rucksack für die drei Tage gepackt – so leicht wie möglich, denn jedes Kilo macht sich spätestens nach zwei Stunden bergauf bemerkbar. Zwei Liter Wasser müssen aber trotzdem zusätzlich mit.

Der erste Anstieg auf den Hausberg ist nicht ohne – zum Teil steil windet sich der Weg stetig durch den Mischwald nach oben. Vom Gipfel auf 1.120 Metern ist die Steinplatte gegenüber zum Greifen nahe. Bergab gelangt man auf eine Forststraße, die man nach kurzer Zeit wieder nach links in den Wald verlässt. Immer den grünen WAIWI Klebern auf den Wegweisern nach. Vorbei an der Talsenalm (unbewirtschaftet) geht es über eine Schotterstraße in Kehren in die Weissbachschlucht. Der tosende Bach sorgt für eine willkommene Abkühlung, bevor es bergauf zum Gasthof Oberweissbach geht.

Pause mit Ausblick gefällig? An der Straße entlang zur kleinen Rechensaukapelle, wo der Weg wieder rechts in den Wald abbiegt, an der Rechensaualm (unbewirtschaftet) lohnt sich ein weiterer kurzer Stopp, um für den Aufstieg zum Schafelberg (1.597 Meter) genug Kraft zu haben. Gewaltiges Panorama: links die Steinplatte, gegenüber die mächtigen Loferer Steinberge, rechts die Leoganger Steinberge… und unten der Pillersee, der immer wieder beim Aufstieg kurz durch die Bäume blitzt. Latschenfelder lösen den Wald ab, je weiter man nach oben steigt. Für mich der mit Abstand schönste Teil der heutigen Strecke.

Das Gipfelkreuz des Schafelbergs wurde übrigens erst 1990 aufgestellt. Von hier aus liegt einem St. Ulrich am Pillersee zu Füßen, die schneebedeckten Spitzen der Hohen Tauern winken aus der Ferne. Zum Kirchberg (1.678 Meter) ist es nicht weit – weiter durch den Latschenwald, der sich dicht rechts und links in die Höhe streckt und doch immer wieder für grandiose Ausblicke zur Seite weicht. Kurzer Abstieg, dem jedoch schnell der weitere Anstieg auf den Gipfel folgt. Ein Blick auf Waidring, die Steinplatte, den Hausberg. Die Hälfte der Etappe wäre geschafft.

Beim Abstieg ist stellenweise Vorsicht geboten. Geröllig und steil geht es nach unten, bevor der Weg breiter wird und an der Gerstbergalm vorbei durch ein kurzes Waldstück wieder auf saftige Almwiesen führt. Hier lohnt sich ein Blick zurück – der Wilde Kaiser gibt sich die Ehre und sorgt für einen atemberaubenden Hintergrund. Auf der über 100 Jahre alten Winterstelleralm bei Sennerin Anni Waltl sollte man unbedingt einen Stopp einlegen. Der perfekte Platz für ein kühles Getränk – falls der Magen knurrt: Brettljausn mit Speck, Käse und Brot, zum Teil sogar aus eigener Herstellung. Was Besseres gibt’s nicht! Für das obligatorische Schnapserl ist auch gesorgt, der Tag fast geschafft. Meine Füße freuen sich über die ausgiebige Pause und Anni über den Besuch. Ihre beiden Hunde genießen die Streicheleinheiten.

Auf der Forststraße geht es runter ins Schartental (Ortsteil von St. Ulrich) und über Schwendt und den schönen „Weiler Flecken" zum Etappenziel nach St. Jakob in Haus. Tipp: Statt beim Kreuz zu rasten lieber ein paar Meter weiter gehen - versteckt hinter den Latschen befindet sich eine Bank mit wunderschönem Blick auf die Hohen Tauern und zum Kitzbüheler Horn.

St. Jakob in Haus - Buchensteinwand - Wildseelodersee
(1700hm & 17km - ca. 8 Stunden Gehzeit)

lodergipfel

Alte Bauernhöfe mit ihren typischen, üppigen Blumen am Balkon – Tradition wird in St. Jakob nach wie vor gelebt! Auf der Buchensteinwand thront das mächtige, 30 Meter hohe Jakobskreuz, zu dem ich über das Katzeneck (wie der direkte Weg von den Einheimischen genannt wird) gelange. Wem das Panorama noch nicht genügt, der steigt im Kreuz auf eine der Plattformen, auf denen alle umliegenden Gipfel beschrieben sind. Der sonnige Gastgarten des Alpengasthofs Buchensteinwand lädt zum Verweilen ein. Mich zieht es aber nach einem Kaffee weiter zum alten Kreuz der Buchensteinwand. Von hier aus schweift der Blick auf die Fieberbrunner Seite. Bis zum Wildseelodersee liegt noch ein ganzes Stück Weg vor mir.

Ich steige westlich über die steile Skipiste in Richtung Tennalm ab. Achtung: Oberhalb der Liftstation zweigt der Weg zum Fieberbrunner Ortsteil Buchau links ab. Weiter geht’s über die Straße nach Walchau und zur Talstation Streuböden. Wer hier bereits müde ist, sollte sich einen Gefallen tun und über eine Abkürzung per Bergbahn zum Lärchfilzkogel nachdenken. Denn über den Krottenweg geht es zum Teil steil, aber nicht schwierig, bergauf – ca. 3 Stunden Gehzeit müssen bis zur Wildseeloderhütte eingeplant werden.

Ist man aber erst mal an der Lärchfilzhochalm angelangt, hat man das Meiste schon geschafft. Der Blick auf den Wilden Kaiser, die Loferer Steinberge, die Buchensteinwand samt Jakobskreuzund den zurückgelegten Abschnitt – die Anstrengungen haben sich gelohnt. Die Forststraße schlängelt sich nach oben, im Hintergrund wird das Steinerne Meer sichtbar. Auf der Wildalm wird feiner Käse hergestellt, den man unbedingt probieren sollte. Danach kommt der letzte Anstieg des Tages – über den Steig hoch zum Wildseeloderhaus auf 1.854 Meter. Die traditionell mit Schindeln gedeckte Schutzhütte (erbaut 1892) mit den rot-weiß-roten Fensterläden ist schon früh sichtbar. Eine kleine Steinkapelle befindet sich links von der Hütte – aber ein weiteres Naturjuwel zieht ungebremst die ganze Aufmerksamkeit auf sich.

Der schwarzblau schimmernde, bis zu 11 Meter tiefe Wildseelodersee - auch als Wildsee oder Wildalpsee bekannt. Eingebettet zwischen den Gipfeln der Henne (2.078 Meter) und des Wildseeloders (2.118 Meter) wäre nach dem schweißtreibenden Aufstieg ein Bad das Höchste der Gefühle. Hartgesottene stürzen sich in die eisigen Fluten, allen anderen reicht zum Erfrischen auch ein Fußbad… Wer mag, erkundet den See per Ruderboot. Die Übernachtung oben in der Schutzhütte ist das wahre Highlight der Tour. Wenn die Tagesgäste zurück ins Tal steigen, um die letzte Gondel am Lärchfilzkogel zu erreichen, kehrt Ruhe ein. Die Hüttenschmankerln: hervorragend. Der Ausblick: unbezahlbar. Sogar von den Toiletten aus…

Wildseeloderhaus - Wildseeloder - Fieberbrunn
(320 m Aufstieg & 11,2 km - ca. 4 Stunden Gehzeit)

Nach einem ausgiebigen Bergfrühstück wartet der Loder (Loderspitze), wie der Fieberbrunner Hausberg von den Einheimischen genannt wird, auf mich. Zum Kreuz auf 2.118 Meter gelangt man über die Seeleitn, eine steile Felsflanke, die am Ende durch ein steinernes Tor auf den grasigen Südgrat führt. Das Gipfelkreuz wurde aus dem letzten Pillerseestahl geschmiedet - die lange Tradition des harten Bergbaus in Fieberbrunn wird greifbar. Die 360°-Fernsicht vom Wildseeloder, mitten in den Kitzbüheler Alpen, scheint fast unbegrenzt. Ein wirklich grandioses Gipfel-Finale auf dem WAIWI.

Der Abstieg erfolgt über die Seenieder, die Hohen Tauern immer im Blick. Hier ist Schwindelfreiheit gefragt, denn es gibt durchaus ein paar wenige ausgesetzte Stellen, bevor es über leichte Block- und Plattenstellen zurück zum Wildseelodersee geht. Noch nicht genug? Zum Gipfel der Henne (2.078 Meter) dauert es ca. 30 Minuten. Wer mag, deckt sich danach unten auf der Wildalm noch mit regionalen Spezialitäten ein, bevor es in Richtung Lärchfilzkogel geht. Hier zweigt der Weg dann ab ins Tal, vorbei am Berggasthof Wildalpgatterl, wo es nach frischgebackenem Brot aus dem Steinofen duftet. Dazu Fleisch vom Nachbarbauern und Kräuter aus dem Garten - Vorbeigehen funktioniert nicht und wäre auch ein echter Fehler.

Über die Forststraße geht es zur Mittelstation der Bergbahnen Fieberbrunn beim Gasthof Streuböden Alm. Am Speichersee vorbei, hinunter in Richtung Brent, wo der Weg dann in eine Asphaltstraße mündet. Diese bringe ich schnell hinter mich – unten wartet der Lauchsee. Auf einem der Stege finde ich den perfekten Platz für eine letzte Pause, bevor ich das Zentrum von Fieberbrunn erreiche. Das Kitzbüheler Horn und der Wilde Kaiser spiegeln sich im See - noch 2,5 km, dann ist der WAIWI geschafft!

Fünf Gipfel und 50 Kilometer zu Fuß durch das Pillerseetal - eine wahrlich wunderbare Region für eine Weitwanderung!

Katharina

Katharina

Bergliebe. Seensucht. Leidenschaft.

Kraft tanken, Kopf freiblasen – das geht draussen am Besten. BERGSEENSUCHT!

Für manche wirken Berge einschüchternd, besonders wenn die Sonne nicht scheint. Für mich sind sie der Ort, an dem ich aufgewachsen bin. Unbeschwert. In der Natur. Im Wald, am Berg und im See. Bei Wind und Wetter. Bei Sonne oder Kälte.
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