Ostern auf Tirolerisch

Vom Eierfärben mit Zwiebelschalen, über Eierpecken und Palmbuschen!

Die Vögel, die am Morgen zwitschern wissen es. Auch die ersten Blümchen auf den Wiesen, die ihre Köpfe nach dem Winter wieder frech Richtung Sonne strecken haben es schon erkannt. Und auch der Schnee, der langsam selbst auf dem Berg zu schmelzen beginnt, ist sich der Tatsache bewusst: Der Frühling kommt. Und mit ihm eine meiner liebsten Zeiten im Jahr: Die Osterzeit.

Schon immer fand ich, dass die Osterzeit eine der schönsten im ganzen Jahr ist. Alles erwacht wieder zum Leben. Man kann die dicken Jacken, Handschuhe und Mützen langsam einwintern und in der wärmenden Frühlingssonne das Erwachen der Natur genießen. Ich liebe es die Veränderungen der Natur im Frühling von Tag zu Tag beobachten zu können. Heute ist es noch eine braun-grüne Wiese, morgen wachsen vielleicht schon die ersten Krokusse, Himmelschlüsselblumen oder Maiglöckchen. Einfach schön.

Was für mich noch zu dieser Jahreszeit gehört, sind die vielen kleinen Traditionen, die es in Tirol in der Osterzeit gibt. Um euch etwas daran teilhaben zu lassen, habe ich hier ein paar Osterbräuche für euch zusammengetragen:

1) Palmbesen bzw. Palmbuschen binden

Da ich selbst handwerklich nicht gerade begabt bin, habe ich mir dazu einen Profi gesucht, wenn es um Palmbesen und Palmbuschen geht: Herfried Unterrainer vom Vital-Hotel Berghof in Erpfendorf. Bei Herfried beteiligt sich jedes Jahr die ganze Familie daran, kleine traditionelle „Palmbesen“ herzustellen. Ganz besonders ist vor allem seine Technik den Griff zu binden. Diese Technik wird schon seit Generationen in der Familie weitergegeben. Jedes Jahr vor Ostern, werden so Palmkätzchen und Weiden, sowie Bux und Segenbaum zu sogenannten „Palmbeserl“ gebunden. Diese werden dann am Palmsonntag in der Kirche geweiht und dann ein Jahr lang im „Herrgottswinkel“ des Hauses aufbewahrt. Der Grund dafür ist, dass die geweihten Palmbesen das Haus und alle die darin wohnen beschützen sollen.

Wie Herfried die Palmbesen genau herstellt, könnt ihr euch auch im Video anschauen!

Palmbesen binden (c) Claudia Egger (10)
Oster-Tradition in der Region St. Johannin Tirol.
© Claudia Egger
Palmbesen binden (c) Claudia Egger (11)
Oster-Tradition in der Region St. Johannin Tirol.
© Claudia Egger
Palmbesen binden (c) Claudia Egger (18)
Oster-Tradition in der Region St. Johannin Tirol.
© Claudia Egger
Palmbesen binden (c) Claudia Egger (20)
Oster-Tradition in der Region St. Johannin Tirol.
© Claudia Egger
Palmbesen binden (c) Claudia Egger (30)
Oster-Tradition in der Region St. Johannin Tirol.
© Claudia Egger

2) Ostereier färben mit Zwiebelschalen

Das Ostereierfärben ein beliebter Brauch zu Ostern ist, überrascht wohl die wenigsten. Aber auf die Technik kommt es an! Bei uns daheim werden Ostereier unter anderem auf ganz traditionelle Art und Weise gefärbt … mit Zwiebelschalen. Diese Art Eier zu färben finde ich besonders schön, da es jedes Mal eine Überraschung ist, wie die Eier dann am Ende aussehen. Aber wie funktioniert das?

Hier eine kleine Anleitung:

Was braucht man?

  • Stoffreste & Bindfaden
  • Zwiebelschalen
  • Blumen und Gräser
  • Eier (am besten weiße, die nehmen die Farbe besser an)

Und so wird es gemacht:

Man schneidet aus dem Stoff kleine Quadrate aus, auf denen man die Zwiebelschalen, Blumen und Gräser drapiert. Danach legt man vorsichtig das Ei darauf und versucht, dass das ganze Ei mit Blumen und Zwiebelschalen bedeckt ist. Danach wickelt man das Ganze vorsichtig ein und bindet es mit dem Faden zu. Dieses kleine Paket kommt nun für ca. 10 Minuten in kochendes Wasser. Damit die Eier die Farbe noch besser annehmen, kann man auch einen Schuss Essig ins Wasser geben. Nach den 10 Minuten wird es spannend: Man packt die kleinen Geschenke aus und kann die einzigartigen Ostereier bestaunen.

3) Eierpecken

Das ist jetzt der wohl einfachste Brauch zu Ostern – bei uns in der Familie aber gleichzeitig auch einer der lustigsten. Am Ostersonntag, nach dem gemeinsamen Mittagessen mit der ganzen Familie, geht es daran die bunt gefärbten Ostereier einem Belastungstest zu unterziehen. Es läuft folgendermaßen ab: Jeder sucht sich 2 Ostereier aus und dann beginnt „der Kampf“. Es treten jeweils Zwei gegeneinander an, „gepeckt“ wird immer mit der gleichen Seite der Eier … also „Spitz peckt Spitz“. Eine weitere Regel ist, dass man das Ei nur mit maximal 3 Fingern halten darf – bei uns geht es beim „Eierpecken“ wirklich streng zu. Und so wird Runde um Runde „gepeckt“, bis schlussendlich nur noch ein Ei übrig ist. Dieses Sieger-Ei heißt bei uns „Hogmoar“. Das bringt einem zwar nicht wirklich einen Preis ein, aber „Ruhm und Ehre“ für das ganze bevorstehende Jahr.

Ich hoffe ich konnte euch mit diesem Artikel ein paar Osterbräuche aus der Region St. Johann in Tirol etwas näherbringen. Wichtig ist, dass es jeden Brauch in vielen unterschiedlichen Facetten gibt. Das heißt, dass der Brauch 3 Ortschaften weiter schon wieder ein wenig anders aussehen kann – aber das wäre dann eine andere Geschichte. 😊

Also in diesem Sinne: Frohe Ostern und fröhliches Eierpecken mit euren Familien!

Theresa

Theresa

Geschichten über Geschehnisse, Erlebnisse und das Leben in unserer wunderschönen Region zu schreiben bereitet mir große Freude. Mehr Details

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Alina Siegfried

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Hi, wisst ihr ob für Südtirol die selben Traditionen gelten? Wir haben für die nächsten Osterferien im hotel kronplatz (https://www.winklerhotels.com/) gebucht und wollen unseren Kindern auch die regionalen Traditionen näherbringen

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