24 Stunden auf den Tourenski

Wie oft, wie weit, wie lange geht´s? Fragen, die Sportler sehr oft beschäftigen und so auch mich. Ich bin Harald Angerer, 46 Jahre alt, Journalist, Blogger, Trailrunner, Skibergsteiger und Familienvater - und vom 6. auf 7. März bin ich 24 Stunden lang auf den Gaisberg in Kirchberg mit den Tourenski aufgestiegen und abgefahren.

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Warum? Das ist eine Frage, die ich recht oft gehört habe. Die Antwort ist einfach: Ich habe im Winter 2018/19 sehr viel auf dem Gaisberg trainiert. Er liegt genau auf dem Weg zwischen meinem Zuhause und meinem Büro und von Dienstag bis Samstag kann man dort jeden Abend bis 22 Uhr mit den Tourenski gehen. Über den Sommer habe ich dann beim nach hause Fahren jeden Tag den Gaisberg gesehen und ich stellte mir die Frage: Wie oft bist du da im Winter rauf gegangen? Und gleich danach folgte die Frage, wie oft würde es an einem Tag gehen? Wie oft schaffe ich das? Diese Frage ließ mich nicht mehr los und im Dezember fiel dann der Entschluss: Ja, ich mache das. Der Termin wurde auf Anfang März gelegt, da hatte ich normal schon genug Training in den Beinen, die Tage werden länger und da ist auch die GOAS Winter Challenge, die ich in mein Projekt einbauen wollte. Und um eine Frage von euch gleich vorwegzunehmen: Ja, ein bissl verrückt muss man für sowas schon auch sein.

Die Vorbereitung lief gut, auch wenn der Schnee in diesem Winter etwas knapp war und der 6./7. März näherte sich mit großen Schritten. Als das Datum immer näher kam, wurde auch der Respekt davor immer größer und Fragen drängten sich auf. Wie wird es mir in den 24 Stunden gehen? Was kann bzw. muss ich dabei essen? Wie wird es meinem Magen gehen? Ich habe schon längere sportliche Herausforderungen bestanden, wie etwa den KAT-Walk in einem Stück zu laufen, also hatte ich schon etwas Erfahrung und eine Ahnung, wie es mir gehen könnte. Aber es ist doch immer wieder etwas Neues, vor allem im Winter. Der Faktor Wetter kann hier noch einmal ein Anderer sein als im Sommer.

Doch das Vorhaben sollte nicht nur meine private Spinnerei sein, sondern einen tieferen Sinn bekommen. Da ist mir die Idee gekommen, mit den Höhenmeter auch Spenden zu sammeln. Mir war es dabei wichtig, dass das Geld in der Region bleibt und Personen aus dem Brixental zu Gute kommt. Dazu habe ich mich mit zwei Vereinen zusammengetan, die sich auf Spenden spezialisiert haben. Mit den Brixentaler für Brixentaler und dem Vertreterstammtisch (VST). Ziel war es, mit den Höhenmetern so viele Spenden zu sammeln wie möglich.

Aber letztlich war es soweit und ich stand am 6. März kurz vor 17h an der Talstation des Gaisbergliftes in Kirchberg. Ich war überrascht, wie viele Freunde und Bekannte vorbeigekommen sind, um mich anzufeuern beim Start. Natürlich war auch meine Familie da und mein erster Begleiter, Peter. Die größte Überraschung war allerdings, dass auch Michael Huber, seines Zeichens Präsident des Kitzbüheler Skiclubs, vorbeikam. Das war schon eine große Ehre. Es war aber nur kurz für etwas Small-Talk Zeit, denn ganz ehrlich, da war ich dann schon etwas angespannt.

3 – 2- 1 und los geht’s. Die Schritte waren leicht, die Motivation riesig. Also war es zu Beginn wichtig, zu bremsen. „Nicht zu schnell, nicht zu schnell“, ging mir laufend durch den Kopf. Die ersten Anstiege gingen locker von der Hand und immer wieder waren Begleiter mit dabei, die mich etwas abgelenkt haben. Insgesamt war ich nur gut zwei der 24 Stunden allein unterwegs, das war schon echt der Hammer. Immer wieder als ich unten ankam, standen da Bekannte und auch Menschen, die ich nur vom Sehen her kannte, die mich angefeuert haben und immer wieder war ein neuer Begleiter da. Das ließ die Zeit bis Mitternacht wie im Flug vergehen.

Kurz vor Mitternacht hatte ich die erste ordentliche Mahlzeit geplant. Die Idee war, bei jedem Aufstieg ein Gel, einen Riegel oder so zu essen und dann alle 6 Stunden etwas Ordentliches. Bis dahin lag ich hier auch noch im Plan. Ich habe mich im Gaisbergstüberl mit den Begleitern und Helfern auf eine Frittatensuppe und ein Cola hingesetzt. Die Suppe tat mir gut und ich war guter Dinge, die nächsten Anstiege zu schaffen. Doch irgendwie machte nun mein Magen Zicken und ich konnte kaum mehr etwas essen. Das hat mich etwas gebremst, aber nach zwei Anstiegen und dank der Begleitung konnte ich dieses Tief schnell überwinden.

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Die Nacht ging als deutlich schneller vorbei als gedacht, doch kurz vor Sonnenaufgang hatte ich erneut ein kleines Tief. Ich war plötzlich extrem müde und mir war zu kalt. Mein Körper wollte ins Bett, doch mein Kopf nicht. Genau zu dem Zeitpunkt war das Frühstück geplant. Doch so richtig essen konnte ich trotz des frischen Frühstücks von der Bäckerei nicht. Also holte mir ein Helfer das flüssige Gold – Cola. Das hilft bei mir immer und so hat es mich auch dieses Mal wieder aufgepäppelt. Inzwischen wurde es auch schon wieder hell und die neuen Begleiter waren da. Die Stimmung war sehr gut. „Auf geht’s, es ist schon mehr als die Hälfte geschafft“, habe ich mir selbst zugerufen. Dann spielte das Wetter noch verrückt, am Vormittag hatten wir von Sonne bis zu 10cm Neuschnee dann alles mit dabei, aber das konnte mich nicht bremsen. Das war auch den Anfeuerungen zu verdanken. Inzwischen hatte ich auch die Ernährung umgestellt, von Gels und Riegel auf flüssige Eiweißnahrung, die hat super funktioniert. Doch gegen Mittag habe ich wieder etwas Falsches erwischt und damit kann das nächste Tief. Ich brachte nix mehr runter, hatte nur mehr wenig Kraft und war wirklich fertig. Über zwei Anstiege war es wirklich hart und ich musste auch kurze Pausen einlegen. Mit einer neuen Flasche Cola gings aber wieder bergauf und in den „Zielsprint“. Ich wusste, um wenigstens noch die 18 zu schaffen, durfte ich nicht mehr trödeln und so habe ich noch wie Anstiege etwas flotter und ohne Pause dazwischen durchgezogen.

Dann wusste ich, der letzte 18. Anstieg geht immer noch. Da war dann wegen der GOAS Winter Challenge schon einiges los. Beim letzten Anstieg sind ich und meine Begleiter dann in der Mitte stehen geblieben, um die Teilnehmer der Goas anzufeuern und dann gings gemütlich richtig Ziel. Die Beine fühlten sich noch immer gut an und der „Zieleinlauf“ war beeindruckend. Es waren viele Leute für die Goas da und haben dann auch mich angefeuert. Es war geschafft und ich hatte die Antwort auf die entscheidende Frage: Ja, 24 Stunden sind zu schaffen!

Im Rückblick waren es unglaubliche 24 Stunden. Die Unterstützung der Freunde und Begleiter mit Peter, Flo, Erich, Gerlinde, Maxi, Andi, Walter, Hans, noch ein Peter, Georg, Alexandra, Gernot und meine Frau Petra um nur einige zu nenne, war großartig.

Zu guter Letzt gilt noch ein großer Dank den Sponsoren, welche die Spende erst möglich gemacht und dem Projekt einen tieferen Sinn gegeben haben. Vielen Dank an Bergbahn Kitzbühel AG – KitzSki, Intersport Patrick, Steinbacher Dämmstoffe, Softcon, Sparkasse Kitzbühel, element3, e-seal, Schmidt Holz, Allianz Agentur und Allianz Lanzinger&Gastl, Spar, TVB Brixental, MFT Balanceboard, Jakobwirt, Holzbau Hetzenauer, Restaurant&Hotel Rosengarten, Steinacher SMPR, Volkstanzgruppe Kirchberg, Café Lorenzoni, Trafik s´Zindhölzl, Dynafit, Gerberei Niederkofler, Fetzerl und ein paar kleinere Privatspender. Ein extra Dank geht auch noch an Florian und Andrea vom Gaisbergstüberl und Dynafit, Roeckl und Fetzerl für die Ausrüstung. Insgesamt sind an die 10.000 Euro Spenden zusammengekommen.

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Wie oft, wie weit, wie lange geht´s? Fragen die Sportler sehr oft beschäftigen. So auch mich. Die Frage, die sich mir im vergangenen Sommer stellte, war: Wie oft ...

Harald

Harald

Ein waschechter Brixentaler - born and raised in the mountains - wie man so schön neudeutsch dazu sagen würde. Als Blogger habe ich meine Leidenschaften Trailrunning und Skibergsteigen und meinen Beruf als Journalist verbunden und schreibe über meine Abenteuer und alles, was man so dabei an Ausrüstung braucht. Zu finden bin ich unter www.auffimuasi.at oder natürlich irgendwo "in di Berg". Mehr Details

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