Latschenbrennerei im Kaiserbachtal

Manfred Lehnert führt in dritter Generation die Latschenbrennerei Hofmann.

Gemeinsam mit seinem Sohn Alexander zwickt der gelernte Raumausstatter am Feldberg Latschenkiefer (Pinus Mugo) für die Produktion hochwertiger und international gefragter Produkte, wie die Hochgebirgslatschenkiefer-Salbe, den Franzbranntwein, Seife und Badesalz. Die Rezeptur der Marke mit dem roten Kaiseradler wird so gut gehütet, wie sonst nur die Zutatenliste von Coca-Cola. Ein Besuch beim stolzen Familienbetrieb, den die „Latschen-Anna“ 1933 gründete.

Angefangen hat die Großmutter seiner Frau, die Hofmann Anna, eigentlich am Unterberg in Kössen. Der Ertrag war mäßig, die auch heute noch unter Naturschutz stehenden Latschen einfach zu wenig. Dann riet ihr ein Freund, sie solle doch ins Kaiserbachtal gehen, dort würde sie ausreichend krumm wachsendes Bergkiefer finden. Anna folgte dem Rat und ging ins Kaiserbachtal bei Kirchdorf in Tirol und legte zwischen Fischbachalm und Griesneralm den Grundstein für ein gutes Leben. Selbst der bei den Einheimischen gefürchtete Oberförster gewährte ihr ausreichend Zugriff auf die Latschen am Feldberg, ein Gebiet, das noch heute unter der Obhut der Österreichischen Bundesforste steht.

Latschenbrennerei Hofmann im Kaiserbachtal in Kirchdorf in Tirol
© Daniel Gollner
Latschenbrennerei Hofmann im Kaiserbachtal in Kirchdorf in Tirol
© Daniel Gollner
Latschenbrennerei Hofmann im Kaiserbachtal in Kirchdorf in Tirol
© Daniel Gollner
Latschenbrennerei Hofmann im Kaiserbachtal in Kirchdorf in Tirol
© Daniel Gollner
Latschenbrennerei Hofmann im Kaiserbachtal in Kirchdorf in Tirol
© Daniel Gollner

„Wir roden nicht, wir lichten nur aus.“

Der Schwiegervater (Ernst) zwickte mit einem Angestellten täglich – mit Ausnahme des freien Sonntags – auf ca. 1.300 Meter Seehöhe jeweils 600 Kilogramm Latschen für ein Kesselvolumen, die als Bündel mit einem Seil vom Berg ins Tal transportiert wurden. Die schwere, aber naturnahe Arbeit begann frühmorgens um 5 und dauerte bis 2 Uhr nachmittags. Anschließend wurde im Kessel das ätherische Öl destilliert – pro 600 kg Latschen gewinnt man bei diesem Verfahren 1,5 Liter reines Öl, ein äußerst kostbares Gut. Anfangs gab es einen zuverlässigen Abnehmer aus Wien, der das Öl wohl selbst zu Produkten verarbeitete. So lange, bis der Schwiegervater entschied, dass die Familie in Eigenverantwortung das Öl fortan selbst verarbeiten solle. Nicht gut für den Wiener, aber viel besser für die Hofmanns, die mit Franzbranntwein und Salbe begonnen haben und heute sogar Zuckerl und ph-neutrales, alkalifreies Duschbad herstellen.

Naturprodukte aus nachwachsenden Ressourcen.

Latschenbrennerei Hofmann im Kaiserbachtal in Kirchdorf in Tirol© Daniel Gollner

Heute wird nicht mehr täglich gezwickt und destilliert. Aber 15 Kessel pro Saison, die hier im Kaiserbachtal ab spätestens Anfang Mai beginnt und bis Ende Oktober dauert, sind es immer noch, die er mit Sohn Alexander anheizt und verarbeitet. Frau Christine hilft auch in der Brennerei mit, ist ansonsten aber für den Vertrieb und die immer noch manuelle Abfüllung der Produkte in Kössen zuständig. Im Hause Hofmann gibt es nämlich keine Maschinen oder Abfüllanlagen und das soll auch so bleiben. Selbstverständlich ist der schonende Umgang mit dem Latschenkiefer von größter Bedeutung, „denn man soll nicht den Ast sägen, auf dem man selbst oben sitzt“, meint Manfred Lehnert im Hinblick auf das Latschenvorkommen am Feldberg, das gut nachwachsen soll und damit auch noch die Grundlage des Geschäftsmodells kommender Generationen sein kann. Im ruhigeren Winter, wenn die Latschen mit meterhohem Schnee bedeckt sind, trifft man die Familie im Geschäft im benachbarten Kössen, der eigentlichen Hofmann’schen Homebase.

Exportschlager Wundersalbe.

„Der Franzbranntwein war früher nur was für die alten Leute, die sich ihre schmerzenden Glieder damit einrieben – heute aber“, so Manfred Lehnert, „haben es vor allem die jungen Sportler wiederentdeckt“, die das Naturprodukt vor und nach dem Sport für eine bessere Durchblutung der Haut und Muskeln anwenden. Müsste hingegen nur ein einziges Produkt stellvertretend für die gesamte Produktpalette stehen, dann wäre es wohl die „Wundersalbe“, die eigentlich „Hochgebirgslatschenkiefer-Salbe“ heißt und hier bestellt werden kann. Ein alte und mehrfach bewährte Rezeptur der „Latschen-Anni“, die vielseitig einsetzbar ist. Bei Schnupfen am besten direkt in die Nase reiben und die ätherischen Substanzen einfach wirken lassen. Die Nasenschleimhäute werden dabei nicht angegriffen und der Schnupfen ist bald passé. Aber auch bei Abschürfungen und kleineren Wunden soll die Salbe Heilung bewirken (die Mitbewerber dürfen ihr vergleichbares Produkt übrigens „nur“ Creme nennen, somit ergibt sich eine hart erarbeitete Alleinstellung für die hauseigene Qualitätssalbe). Aber auch Zuckerl haben die Hofmanns mittlerweile im Sortiment – wohltuend für Hals und Rachen.

Schwer beeindruckt bin ich auch von der Exportliste, also den Abnehmern der Naturprodukte mit dem roten Kaiseradler. Neben der touristischen Laufkundschaft, die in Tirol natürlich international ist, exportiert der Familienbetrieb interessanterweise vor allem nach Skandinavien. In Norwegen arbeitet man gar schon 35 Jahre mit dem gleichen Partner zusammen, der wie ein schwedisches Kosmetikstudio, die Salbe, aber auch den Franzbranntwein sehr schätzt und gut verkauft. Die Handelspartner, die Latschen-Produkte anfragen und vertreiben möchten, werden vorab genau analysiert und sorgfältig ausgewählt. Denn nur jene, die wirklich hinter dem Produkt stehen, kann man längerfristig binden. Scheint zu funktionieren.

Latschenbrennerei Hofmann im Kaiserbachtal in Kirchdorf in Tirol
© Daniel Gollner
Latschenbrennerei Hofmann im Kaiserbachtal in Kirchdorf in Tirol
© Daniel Gollner
Latschenbrennerei Hofmann im Kaiserbachtal in Kirchdorf in Tirol
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Latschenbrennerei Hofmann im Kaiserbachtal in Kirchdorf in Tirol
© Daniel Gollner
Latschenbrennerei Hofmann im Kaiserbachtal in Kirchdorf in Tirol
© Daniel Gollner

Die Magie des Wilden Kaisers.

Heute ist es etwas ruhiger im Kaiserbachtal. Zumindest wenn man das Jetzt mit den frühen 1990er-Jahren vergleicht und damit auch den letzten großen Tourismusboom, der nach der Öffnung der Grenzen in Deutschland übers Alpenland zog. Busweise kamen die reisehungrigen Bürger nach Tirol und ins Kaiserbachtal. Heute sind es Wanderer und Kletterer, aber auch Familien und Senioren, die das gut erreichbare Tal als besonderes Naturjuwel schätzen. Ich selbst war als Nicht-Kletterer noch nie so nahe bei derart dramatisch hohen Felswänden. Nur wenige Schritte vom Parkplatz der Griesneralm, die noch etwas oberhalb der Latschenbrennerei liegt, ziehen die Felsen steil in den Tiroler Himmel. Ganz großes Naturkino, das auch passiv beim nur Hinschauen wirkt.

Berge oder die alpine Aura großer Felsgiganten sind an sich schon Kraftorte. Auch Manfred, der seit 27 Jahren von Ende April bis Ende Oktober täglich ins Kaiserbachtal fährt, spürt diese Kraft und Magie, die vom Wilden und Zahmen Kaiser ausgeht. Jeden Tag, immer wieder, ohne Abnützung. Eine wunderschöne Version von „Täglich grüßt das Murmeltier“. Ab dem ersten Blick bei der Mautstelle ins Kaiserbachtal, dem schönsten Arbeitsplatz, den sich der gelernte Einzelhandelskaufmann nur vorstellen kann. Recht hat er.

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