Bergsteigen & Klettern – Einst & Jetzt ... Jung & Alt

Die Bendler Boys. Helmut und Markus Bendler sind mit Blick auf den Wilden Kaiser groß geworden. Der ältere, Helmut, ist Markus’ Onkel, Herzblutbergsteiger und Kletterpionier.

Er kennt den Koasa und alles was dazu gehört bestens. Beide lieben die Region, das Kaiserbachtal. Die Vielfalt und die kurzen Wege. Helmut begrüßt die Initiative des Alpenvereins, einen Klettersteig auf die Nordwand des Mitterkaisers zu installieren. Der Neffe hingegen sieht das anders. Eine Familienaufstellung.

Helmut Bendler weiß enorm viel. Über die Berge, den Wilden Kaiser und lokal-alpine Highlights wie Fleischbank, Predigtstuhl und Mitterkaiser. Aus der Chronik könnte diese imposanten Namen jeder ablesen, Helmut hingegen war mehrfach oben. Er ist ein Kletterer der ersten Stunden, war selbst noch mit Hanfseil unterwegs. Heute, in seinen frühen 80ern, geht er immer noch fast täglich von der Griesner Alm aufs Stripsenjoch. Respekt. Die Fitness und Umtriebigkeit, die ihn umgeben, machen ihn zu einem vitalen Gesprächspartner. Während wir über die Pionierjahre des Felsenkletterns sprechen, sitzen wir auf einer Bank mit Blick ins Kaiserbachtal. Schon wieder Kino. Und in diesem Fall gerne auch erste Reihe.

Helmut Bendler aus Kirchdorf in Tirol
© Daniel Gollner
Helmut Bendler aus Kirchdorf in Tirol
© Daniel Gollner
Helmut Bendler aus Kirchdorf in Tirol
© Daniel Gollner
Helmut Bendler aus Kirchdorf in Tirol
© Daniel Gollner
Helmut Bendler aus Kirchdorf in Tirol
© Daniel Gollner

Markus Bendler - Eiskletterweltmeister aus Kirchdorf in Tirol© Daniel Gollner

Markus’ erste Berührung mit dem Koasa passiert im Alter von 6 Jahren am Egger-Steig. Nicht viel später, mit 10, geht er mit seinem Bruder den ersten Koasa-Gipfel alleine. Die Erwachsenen am Weg reagieren verdutzt, ob der zwei Halbstarken, die sich hier oben rumtreiben. Wohl eine erste Richtschnur für das, was noch kommen soll. Mit 12 folgt dann eine fundierte Kletterausbildung bei der ambitionierten Alpenvereinssektion St. Johann in Tirol. Nach einigen Wettkämpfen in der Halle zieht es Markus Bendler immer mehr zur Felskletterei. Später auch ins Eis.

Helmut Bendler war 1959 am Matterhorn. Premiere mit 23. Er fuhr damals einen VW-Käfer, der ihm und seinen zwei Bergkumpanen die Reise überhaupt erst ermöglichte. Auch wenn er den Koasa liebt (das spürt man ab dem ersten gesprochenen Wort) hat er andere spannende Erhebungen unserer Welt bereist. Nepal. Mount Kenia. Kilimandscharo. Drei Fünftausender in Mexico. Ecuador. Und mit den Tourenskiern war er am kaukasischen Elbrus. Und am Kitzbüheler Horn. Mehrmals sogar. Das ist heute seine Lieblingsdestination. Der Harschbichl, sein Skitourenhausberg.

Markus erklärt mir, dass Eisklettern noch etwas athletischer wäre, als Felsklettern. Ich glaube ihm das natürlich, nicke und mustere dabei unauffällig seine Körperspannung, die mir klar macht, das ich – auch wenn ich meinen Körper anspanne – im Vergleich zum bereits pensionierten Eiskletterer im besten Fall ein plüschweicher Teddybär bin und war. Auch in meinen besten Jahren. Die Kraft, die in seinem Körper wohnt, ist ihm deutlich anzusehen. Auch im Sitzen. Beeindruckend der Fokus in seinen Augen, wenn er spricht und „the time of his life“ erzählt. 12 Jahre Wettkampfkarriere bedeuteten einerseits hartes Training (im Sommer Felsklettern, von Dezember bis März Wettkämpfe im Eis), andererseits auch große Erfolge. Zwei Eiskletter-Weltmeistertitel (2007 und 2009), zwei Weltcup-Gesamtsiege. Mehr als 30 Einzelsiege auf der Tour. Vor mir sitzt ein absoluter Top-Star von internationalem Format. Da wir aber nicht über Fussball, Tennis oder Skisport reden, kenne ich ihn nicht. Eisklettern ist kein Medienereignis und wenig titelseitentauglich. Eine Nische eben.

Helmut meint, dass man sich heutzutage eben was einfallen lassen muss, um den Tourismus anzukurbeln. Die Parkplätze der Tiroler Seilbahnbetreiber sind auch im Sommer voll, seit Attraktionen wie das Hexenwasser (Söll) oder Triassic-Park (Waidringer Steinplatte) menschengemacht die sommerlichen Bergareale inszenieren. Das sei schon gut so, denn man müsse die Menschen mitunter spielerisch zur Natur führen. Im Tal und für Familien. Denn die Gäste brauchen was, das sie anregt und beschäftigt. Aber „Mickey-Mouse-Inszenierungen“ will er nicht, da ist sich der Bergmensch Bendler sicher. Den vom Alpenverein geplanten, tausend Meter hohen Klettersteig vis-a-vis der Griesner Alm auf die Nordwand des Mitterkaisers kann er ebenso gut heißen. Zukunft ist jetzt.

Stripsenjoch im Kaiserbachtal in Kirchdorf in Tirol
© Daniel Gollner
Stripsenjoch im Kaiserbachtal in Kirchdorf in Tirol
© Daniel Gollner
Stripsenjoch im Kaiserbachtal in Kirchdorf in Tirol
© Daniel Gollner
Stripsenjoch im Kaiserbachtal in Kirchdorf in Tirol
© Daniel Gollner
Stripsenjoch im Kaiserbachtal in Kirchdorf in Tirol
© Daniel Gollner

Markus wiegt das Für und Wider der Fels-Erschließung sorgfältig ab. Beleben und Schützen lautet seine Devise. Der Trubel darf in den Bergen nicht zu viel werden. Sagt einer, der seit 2013 den RocknRoll Mountain Store in Kirchdorf führt und gut vom Verkauf von Bergsportartikel lebt. Darunter natürlich auch Klettersteigausrüstung. Er spricht dabei ganz offen über seine innere Zerrissenheit – einerseits Geschäftsmann, andererseits Herzblutkletterer. Markus findet, dass Felsklettern seine Faszination bewahren sollte. Einen Klettersteig kann nämlich auch ein Nichtkletterer bewältigen, es gilt ja nur dem Drahtseil zu folgen. Die historischen Kletterrouten sollten so wie sie sind für die Nachwelt bewahrt und eben nicht auf den neuesten Stand der (Kletter-)Technik gebracht werden. Wenn jemand absolute Sicherheit sucht, ist der Koasa ganz sicher nicht das richtige Terrain. Generell wird das Revier in der Kletterszene gewaltig unterschätzt, obwohl ja München vor der Haustür liegt. Aber „der Koasa ist unguat“, sagt Markus und präzisiert: „Der 6. Grad am Koasa ist für einen 6er-Kletterer grauenhaft. Man muss sich als Kletterer mit dem Koasa sowieso erst arrangieren“, setzt er deutlich nach. Es ginge dabei eher um die alte, klassische Kletterei.

Helmut hingegen stellt fest, dass die Jugend nicht mehr so bergaffin ist. Alpinkletterer gibt es um vieles weniger, der Zuzug findet im Bereich der Sport- und Hallenkletterei statt. Mountainbiker sind heutzutage ebenso zahlreich unterwegs. Eine Alpinwelt im Wandel.

Das Kaiserbachtal – der nördliche Zugang zu den Hauptgiganten.

Worin sich beide aber einig sind, ist der besondere Reiz und Charakter der Naturlandschaft, in der die beiden verwurzelt sind. Kurze Wege, von grashügelig bis hochalpin-anspruchsvoll. Die Nähe zu den Felswänden, aber immer auch zur Zivilisation, zum nächsten Ort.

Helmut Bendler, Berg- & Kletterpionier. Lebt in Kirchdorf. Man trifft ihn entweder am Wanderweg von der Griesner Alm aufs Stripsenjoch oder im SPAR-Markt beim Gästehaus Bendler in Kirchdorf

Markus Bendler, 2-facher Eiskletter-Weltmeister und seit 2013 Inhaber und Geschäftsführer des RocknRoll Mountain Store in Kirchdorf. Dort trifft man ihn zumeist während der Geschäftszeiten.

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Theresia Conrad

Antworten

Sie haben auch Zimmer?Möchte eventuell meine Brüder ,Keuschnick,heißen sie,besuchen.Könnten Sie mir einAngebot machen für 6 Tage .Zimmer mit D,Wc,Balkon wenn vorhanden.mit Frühstück.Danke.

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